Schicksal der Mannschaft unklar: Gekapertes Frachtschiff wird beobachtet

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Ein US-Kriegsschiff im Einsatz gegen Piraten vor der Küste von Somalia. Das Schicksal des jetzt gekaperten Frachters „Charelle“ ist derzeit unklar.

London - Das vor der Küste des Sultanats Oman von Piraten entführte Frachtschiff “ Charelle “ hat somalische Gewässer erreicht.

Stärke, Nationalität und Gesundheitszustand der Mannschaft seien noch unklar, sagte der Sprecher des NATO-Marine-Hauptquartiers, Kommandeur Chris Davies, am Samstag im britischen Northwood der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die acht vermutlich somalischen Seeräuber hätten noch keinen Kontakt nach außen aufgenommen.

Die Piraten hatten die “Charelle“ nach Angaben des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) am Freitagnachmittag rund 50 Kilometer südlich der Küstenstadt Ras Al Marakah in ihre Gewalt gebracht. Ein NATO-Schiff in der Nähe habe zu dem Zeitpunkt nicht eingreifen können, weil es mit dem Sultanat kein entsprechendes Abkommen geschlossen habe, sagte Davies. Ein spanisches Schiff sei erst vor Ort gewesen, als die Piraten das Schiff bereits in ihrer Kontrolle hatten. Die EU-Marinemission Atalanta werde das gekaperte Schiff nun im Auge behalten, aber nicht einschreiten.

Die Besitzverhältnisse der “Charelle“ sind unterdessen noch nicht vollständig geklärt. Das Schiff fahre unter der Flagge von Antigua und Barbuda und werde von einer Reederei in Neuseeland betrieben, sagten der NATO-Sprecher und ein Atalanta-Sprecher übereinstimmend. Der Besitzer Tarmstedt International sei im Inselstaat Samoa registriert. Informationen darüber, dass diese Firma einer deutschen Reederei gehört, konnten sie nicht bestätigen.

Der Angriff habe eine neue Qualität erreicht, sagte der NATO- Sprecher. “Das ist ein ziemlich ungewöhnlicher Angriff, den es so zuvor nicht gegeben hat“, sagte Davies. Die Piraten seien äußerst brutal vorgegangen und hätten erstmals in Gewässern des Oman ein Schiff gekapert. Aus rechtlicher Sicht sei es kein Piratenangriff, sondern ein bewaffneter Überfall gewesen. Die Täter würden im Fall einer Festnahme als Räuber angeklagt und hätten mildere Strafen zu erwarten. Seit Monaten versucht die internationale Gemeinschaft weiter südlich, am Horn von Afrika der steigenden Zahl von Piratenüberfällen Herr zu werden. Auch Deutschland ist mit zwei Fregatten an der Mission beteiligt. Insgesamt sind in dem Seegebiet mehr als 40 Kriegsschiffe gegen Piraten im Einsatz.

dpa

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