Schriftzug "Arbeit macht Frei" im KZ Auschwitz gestohlen

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Diebe haben den Schriftzug "Arbeit macht Frei" im KZ Auschwitz gestohlen.

Warschau - Diebe haben in der Nacht zum Freitag vom Eingangstor zum Stammlager des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz den metallenen Schriftzug “Arbeit macht frei“ gestohlen.

Von den Tätern fehlte zunächst jede Spur. Es wurde spekuliert, die Diebe hätten den Träger mit den Buchstaben möglicherweise auf Bestellung abmontiert. Der Schriftzug “Arbeit macht frei“, der über den Toreinfahrten zahlreicher Konzentrationslager angebracht wurde, gilt als zynisches Symbol für die Gräueltaten der Nazis, die Millionen von Menschen ermordeten.

Nach ersten Ermittlungen waren die mindestens zwei bis drei Diebe in Auschwitz in der Nacht zwischen 03.00 und 05.00 Uhr zur Tat geschritten. Die Täter seien gut vorbereitet gewesen und hätten gewusst, wie man auf das Gelände gelangen und das Symbol abnehmen könne, sagte der Sprecher der Gedenkstätte Jaroslaw Mensfelt: “Das hat jemand getan, der gut wusste, was er will“.

So begann der Zweite Weltkrieg

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Die Täter hätten die Konstruktion mit dem Schriftzug abmontiert, ihre Beute durch eine Lücke im Zaun geschafft und dort in ein Transportauto geladen, sagte ein Polizeisprecher. Die Spürhunde hätten an dieser Stelle die Witterung verloren. Laut polnischem Fernsehen TVP könnte es sich um Diebstahl auf Bestellung gehandelt haben.

Museumswächter hätten am Morgen den Diebstahl bemerkt, sagte Sprecher Mensfelt. Inzwischen wurde eine Kopie der Original-Tafel, die während Renovierungsarbeiten angefertigt worden war, angebracht.

Der dreiste Diebstahl löste in Polen eine Welle der Empörung aus. Der Vorsitzende der zweiten Parlamentskammer des Senats, Bogdan Borusewicz, bezeichnete den Vorfall als “bedauerlich und peinlich“. Er hoffe, dass die historische Tafel nicht zerstört werde, sagte der Politiker dem polnischen Rundfunk.

Beispielloser "Akt des Vandalismus"

Dieser “Akt des Vandalismus“ sei ohne Beispiel, sagte der für den Schutz historischer Gedenkstätten zuständige Minister Andrzej Przewoznik. Entrüstet zeigte sich Vize-Außenminister Andrzej Kremer. Für Hinweise, die zur Festnahme der Täter führen können, wurde eine Belohnung von 5000 Zloty (rund 1200 Euro) ausgesetzt.

Der gestohlene Schriftzug “Arbeit macht frei“ war etwa ein halbes Jahr nach der Gründung des Lagers im Juni 1940 auf deutschen Befehl von polnischen Häftlingen angefertigt worden. Auschwitz liegt zwischen den polnischen Städten Krakau und Kattowitz. In dem dortigen Lager und im zwei Jahre später gegründeten Vernichtungslager im benachbarten Birkenau ermordeten die Nationalsozialisten mehr als 1,1 Millionen Menschen. Die meisten der Opfer waren Juden aus dem von Deutschland besetzten Europa.

dpa

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