Kältewelle in Europa: Dutzende Tote

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Wenige Tage vor Weihnachten stürzte der Wintereinbruch den Verkehr in weiten Teilen des Kontinents ins Chaos.

Hamburg - Dutzende Europäer sind bei der ersten Kältewelle des Winters erfroren. Wenige Tage vor Weihnachten stürzte der Wintereinbruch den Verkehr in weiten Teilen des Kontinents ins Chaos.

In einer verlassenen Pfadfinder-Schutzhütte in Rheinland-Pfalz wurde ein 62 Jahre alter Mann tot gefunden, teilte die Polizei mit. Es war der erste Kältetote im Land. In Mannheim erfror ein 46 Jahre alter Obdachloser. Der Mann hatte lediglich mit einer Kapuzenjacke und einer leichte Daunenjacke bekleidet im Freien auf dem Betonboden geschlafen, teilte die Polizei mit. Aufgrund der Minustemperaturen überlebte er die Nacht nicht. Bekannte des Mannes fanden die steif gefrorene Leiche am nächsten Morgen. Eine Gewalttat schließt die Polizei aus. Der 46-Jährige hatte sich gemeinsam mit zwei anderen Obdachlosen neben die Gleise eines stillgelegten Postfrachtzentrum zum Schlafen gelegt. Die beiden anderen Obdachlosen kamen nicht zu Schaden. Der Verein Armut und Gesundheit in Deutschland kritisierte vor dem Hintergrund dieses Falls vom Mittwoch, dass Hilfsangebote für Obdachlose oft nicht genug auf deren Bedürfnisse ausgerichtet seien.

Fast überall in Deutschland werde am Samstagmorgen strenger Frost unter minus 10 Grad erwartet. Auf deutschen Straßen kam es zu hunderten Karambolagen - allein in Hamburg zählte die Polizei rund 130 Unfälle. Mehr als 250 mal krachte es etwa in Westfalen und Lippe - wie die Polizei mitteilte, blieb es aber meist bei Blechschäden und Leichtverletzten. In Rheinland-Pfalz, wo der Schnee am Nachmittag zu fallen begann, krachte es nach Polizeiangaben immer wieder. In Montabaur kam ein Lastwagen von der glatten Fahrbahn ab und rammte ein Haus. Dabei lief Diesel aus dem Tank aus, verletzt wurde niemand.

Bei Schlüchtern in Hessen wurden drei Menschen bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Ihr Wagen war auf eisglatter Straße auf die Gegenfahrbahn geraten, wie die Polizei in Offenbach berichtete. Das Auto prallte mit einem Linienbus zusammen. In Südhessen war die Lage auf den Straßen “katastrophal“. “Wir konnten die Unfälle noch gar nicht zählen“, sagte ein Polizeisprecher am Abend. In Belgien stauten sich die Fahrzeuge auf einer Länge von 350 Kilometern, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Auf Flughäfen in Brüssel, London und Paris fielen wetterbedingt viele Flüge aus. In der französischen Hauptstadt mussten Hunderte Passagiere, die nach Hamburg, Stuttgart und anderswohin wollten, die Nacht auf dem Flughafen verbringen. Das Luftfahrtamt DGAC rief die Fluggesellschaften auf, als Vorsichtsmaßnahme ein Drittel der Flüge zu streichen. Die Hochgeschwindigkeitszüge TGV drosselten ihre Fahrt.

In Bulgarien war nach Medienberichten der Nordosten betroffen, mehrere Dörfer waren ohne Strom. Schnee auch in Norditalien, wo die Temperaturen auf der Marcesina in den Dolomiten unter minus 27 Grad Celsius fielen. Freude über die Kälte herrschte in deutschen Wintersportorten und bei Winzern, die ihre Eisweinlese begannen. In Polen kamen seit Donnerstag mindestens fünf Menschen ums Leben.

Selbst die an heftigen Frost gewöhnten Russen bibbern bei eisigen Temperaturen. In der ostrussischen Republik Tuwa wurden minus 40 Grad gemessen. Die Zahl der Kältetoten in der russischen Hauptstadt seit Anfang November stieg auf 19, teilten die Behörden nach Angaben der Agentur Interfax mit. Dutzende Menschen erlitten Erfrierungen.

dpa

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