Angehörige rechnen mit Castro ab 

Kidnapper zeugte Tochter mit Gefangener

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Kidnapper Castro zeugte mit seinem Opfer Amanda Berry während der Gefangenschaft ein Kind.

Cleveland - Der mutmaßliche Kidnapper von Cleveland ist der Vater der Sechsjährigen, die eines seiner drei Opfer in Gefangenschaft zur Welt gebracht hatte. 

Ein DNA-Test bestätigte am Freitag laut den Behörden, dass Ariel Castro der Vater des Kindes ist, das zusammen mit seiner Mutter Amanda Berry sowie Gina DeJesus und Michelle Knight am Montag aus Castros Haus befreit worden war. Die drei Frauen hatten dort etwa ein Jahrzehnt lang in Gefangenschaft gelebt.

Berry sagte laut Polizeibericht aus, sie habe in der Gefangenschaft ein Baby in einem aufblasbaren Kinderschwimmbecken auf die Welt gebracht, weil das leichter zu reinigen gewesen sei. Knight sagte, sie habe mindestens fünf Fehlgeburten erlitten, weil Castro sie geschlagen und ausgehungert habe. Deshalb wird derzeit geprüft, ob Castro auch des Mordes mit besonderer Schwere der Schuld angeklagt werden kann. In dem Fall würde ihm die Todesstrafe drohen, so ein Staatsanwalt.

Knight sagte zudem, sie habe vor sechs Jahren Berrys Baby entbunden und sei von Castro mit dem Tod bedroht worden, sollte Berrys Kind bei der Geburt sterben.

Es war die erste offizielle Bestätigung von Berichten, nach denen zumindest eine Frau in der Gefangenschaft eine oder vielleicht sogar mehrere von dem Entführer herbeigeführte Fehlgeburten erlitt.

Castros Kinder rechnen mit ihrem Vater ab

Eine erwachsene Tochter des Angeklagten nutzte ein Interview mit dem TV-Sender CNN zu einer Abrechnung mit ihrem Vater. „Für mich ist er tot“, sagte die Frau. Ihr Vater sei „der bösartigste, niederträchtigste, dämonischste Kriminelle“. Sie habe ihn immer für einen liebenswürdigen Menschen gehalten und sei nun völlig schockiert. Sie habe niemals ungewöhnliche Vorgänge in ihrem Elternhaus bemerkt, in dem sie zum Zeitpunkt der Entführungen nicht mehr lebte.

Aber wenn sie ihren Vater besuchte, habe er immer sehr lange gebraucht, um die Haustür zu öffnen. Er habe sie zudem stets gebeten, nicht in den zweiten Stock zu gehen, weil es dort so unordentlich sei. Außerdem habe er ständig laute Musik bei sich laufen lassen. „Die Sache passierte genau vor meiner Nase“, sagte die Tochter.

Castros frühere Schwiegertochter sagte, Castro habe die Mutter seiner Kinder terrorisiert, sie geschlagen und eingeschlossen. Grimilda Figueroa verließ Castro vor Jahren und verstarb im vergangenen Jahr.

Derweil bat Castros Mutter unter Tränen "die Frauen und die Mädchen um Verzeihung für das Leid, das sie erlitten haben“.

Der Cousin eines Opfers erzählte, die Frauen hätten zu jedem Jahrestag ihrer Entführungen einen Kuchen backen müssen. „Er feierte ihren Entführungstag als ihre neuen Geburtstage“. Castro habe auf seinem 1400 Quadratmeter großen Anwesen eine „Folterkammer und ein privates Gefängnis mitten in unserer Stadt“ gehabt, teilte Staatsanwalt McGinty mit.

Psychologen sprechen von "erlernter Hilflosigkeit"

Psychologen, die verschiedene Entführungsfälle untersuchten, glauben, dass die Opfer häufig in eine Art „erlernte Hilflosigkeit“ verfallen. Menschen, die viele Jahre sexuell missbraucht worden und Todesdrohungen ausgesetzt gewesen seien, entwickelten zwangsläufig komplizierte und ambivalente Gefühle ihrem Peiniger gegenüber, um zu überleben, sagte der Psychologe David A. Wolfe von der Universität von Toronto in der „New York Times“ vom Donnerstag.

dpa/ap

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