„Eine Schande“

„Kaltherzige Entsorgung“? NASA tötet alle Labor-Affen an nur einem Tag - US-Politikerin reagiert

 Drei junge Mantelpaviane fressen in ihrem Gehege im Tierpark Hagenbeck.
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Einschläferung ein Gnadenakt oder „Entsorgung“? - Streit um NASA-Affen (Symbolbild)

Im aktuellen Fall von eingeschläferten NASA-Affen wird heftig debattiert, wer in der Sache der „Gute“ und der „Böse“ ist. Der Streit wird wohl andauern.

  • Die Weltraumbehörde NASA hat 27 Affen eingeschläfert.
  • Die NASA verteidigt diesen Entschluss vehement - es habe keine Tierversuche gegeben.
  • Jetzt melden sich Tierethiker und Politiker zu Wort.

Washington D.C. - Wann sind Tierversuche gerechtfertigt? Unter bestimmten Umständen - oder nie? Wie soll der Mensch die Tiere behandeln, nachdem sie ihren „Job“ getan haben? Und welche Rolle spielen Tierheime bei dem Problem?

Die Tierversuchs-Debatte schwelt stetig, und im Fall der NASA brennt sie aktuell sogar. Auslöser sind Recherchen des britischen Guardian. Die Weltraumbehörde hat 27 Affen in ihrem Besitz eingeschläfert, schreibt die Zeitung. Datum der Aktion: der 2. Februar 2019. Von den alternden Tieren litten 21 an der Parkinson-Krankheit, zitiert der Autor aus ihm vorliegenden Dokumenten.

NASA lässt 27 Affen einschläfern - Shitstorm von Tierschützern folgt: „Kaltherzige Entsorgung“

Aber hätten sie deshalb getötet werden müssen?, fragen Kritiker nun und sprechen von kaltherziger „Entsorgung“. Es gibt immerhin Tierheime oder Gnadenhöfe. „Die NASA hat viele Stärken, aber was Tierschutz angeht, ist sie veraltet“, urteilt „Rise for Animals“-Sprecher Mike Ryans in dem Bericht. „Die Affen litten und „den verhaltensbiologischen Entbehrungen und Frustrationen, die dem Laborleben eigen sind“, wird außerdem der Tierethiker John Gluck von der Universität New Mexico wiedergegeben.

Die NASA verteidigt sich - und sieht die Schuld offenbar bei jemand ganz anderem: Die 27 Affen seien dem Labor „vor Jahren“ übergeben worden, nachdem wegen ihres Alters und ihrer angeschlagenen Gesundheit keine Tierheime für sie gefunden werden konnten, so Stephanie Solis laut dem Guardian. Sie ist Geschäftsführerin der Forschungseinrichtung „LifeSource BioMedical“ im Silicon Valley, die mit der NASA vereinbart haben soll, die Tiere zu beherbergen.

Artgerechte Haltung von Versuchstieren: „Unterfangen ohne Plan“

Im Mai 1959: Ein Rhesusäffchen mit „Weltraumhelm“, kurz bevor es für es ins All geht.

„Wir versorgten sie auf eigene Kosten, bis ihr körperlicher Zustand uns zu dem Entschluss brachte, sie möglichst schmerzfrei einschläfern zu lassen und ihnen so ein leidvolles Leben zu ersparen“, sagte Solis dem Bericht zufolge. Keinerlei Tierversuche seien an den 27 Affen während ihres Aufenthalts vollzogen worden und sie hätten „eine gute Lebensqualität“ genossen. Die 27 Affen waren nicht die ersten der NASA. Bereits 1959 überlebten mit „Miss Baker“ und „Able“ zwei Rhesusaffen einen Weltraumflug.

Kathleen Rice, demokratische Vertreterin im US-Repräsentantenhaus, habe nun schriftlich von NASA-Administrator Jim Bridenstine eine Erklärung für den Vorfall verlangt. Sie dränge bei der US-Regierung schon länger auf eine „humane Ruhestandspolitik“ für ehemalige Versuchstiere. Der Guardian urteilt in seinem Artikel jedoch: Die artgerechte Unterbringung von ehemaligen Versuchstieren misslinge oft und sei aktuell ein Unterfangen „ohne Plan“. (frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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