Neuer Absaugtrichter soll Ölquelle abdichten

+
Bis der neue Trichter richtig sitzt, strömt das Öl ungehindert und mit voller Wucht aus dem Bohrloch ins Meer.

New Orleans - Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko ruhen nun alle Hoffnungen auf einer neuen Absaugglocke. Millionen Liter Öl fließen bis zum Abschluss der Operation wieder ungehindert ins Meer.

Der Ölkonzern BP entfernte am Samstag die bisherige Absaugvorrichtung, die seit Anfang Juni lose über dem Bohrloch saß und das Leck nicht vollständig verschloss. Der neue Trichter mit Namen “Top Hat 10“ kann aber voraussichtlich frühestens am Montag auf dem defekten Förderkopf über dem Bohrloch angebracht werden. Bis dahin strömt das Öl ungehindert ins Meer. In einem ersten Schritt muss nach Angaben von BP ein 3,60 Meter langes Verbindungsstück auf den Förderkopf abgesenkt werden, um darauf den 68 Tonnen schweren “Top Hat 10“ anzubringen.

Lesen Sie auch:

Golf von Mexiko: Öl strömt wieder ungehindert aus

Ob das riskante Manöver den erhofften Durchbruch bringt, dürfte erst in einigen Tagen feststehen. Denn selbst wenn der neue Trichter wie geplant am Montag installiert werden kann, ist nicht sicher, ob er dem immensen Druck standhält. Dies sollen Tests zeigen, die mehrere Tage in Anspruch nehmen können. “Es ist nicht so einfach, wie einen Deckel auf eine Zahnpastatube zu setzen“, sagte am Sonntag ein Sprecher der US-Küstenwache, James McPherson. “Top Hat 10“ soll fest auf dem Leck sitzen, so dass kein Öl mehr ins Meer fließt, sondern das gesamte austretende Öl über Rohrleitungen an die Oberfläche gepumpt und dort von Schiffen aufgenommen werden kann.

Bis es so weit ist, könnten nach Schätzung der US-Regierung weitere 19 Millionen Liter Öl ins Meer geflossen sein. Aus dem Bohrloch treten nach Schätzung der US-Behörden täglich zwischen 5,7 Millionen und 9,5 Millionen Liter Öl aus. Die bisherige Glocke konnte aber nur rund 3,8 Millionen Liter pro Tag abfangen. Ein Teil des Öls wird seit einigen Wochen in ein Schiff gepumpt, das eine Kapazität von 1,4 Millionen Litern hat. Ein zweites Schiff, der Tanker “Helix Producer“, der mehr als die doppelte Menge fassen kann, wurde am Sonntag vor Ort erwartet. Aber auch der neue Trichter ist nur eine Übergangslösung.

Der Ölstrom kommt wohl erst dann zum Erliegen, wenn zwei neue Bohrungen fertig sind. Die erste soll Mitte August abgeschlossen sein. Seit dem Untergang der von BP betriebenen Bohrinsel “Deepwater Horizon“ am 20. April sind Schätzungen zufolge bereits zwischen 330 Millionen und 650 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko geströmt.

dapd

Kommentare