Polen im Schock: "Elite der Nation" gestorben

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Betroffene Bürger haben vor dem Präsidentenpalast in Warschau Blumen niedergelegt.

Warschau - Polen in der Schockstarre: Nach dem Tod von Staatspräsident Lech Kaczynski versammelten sich am Samstag vor dem Präsidentenpalast in Warschau spontan Hunderte von Menschen zum Gebet.

Angesichts der Tragödie flatterte die Staatsflagge auf Halbmast, während die Trauernden vor dem Gebäude Kerzen anzündeten. Sogar der frühere Präsident Lech Walesa, der sonst immer eine schnelle Antwort auf jede Frage parat hat, suchte lange nach den richtigen Worten. Bei diesem Flugzeugabsturz sei “die Elite der Nation“ gestorben, sagte der Friedensnobelpreisträger und einstige Arbeiterheld. Der Verlust sei so gewaltig wie vor 70 Jahren in Katyn.

In der Tat liest sich die Passagierliste der Unglücksmaschine wie ein “Who is Who“ der polnischen Politik. Außer Präsident Kaczynski, seiner Ehefrau Maria und den engsten Mitarbeitern der Präsidentenkanzlei starben bei Smolensk auch Dutzende von anderen polnischen Spitzenpolitikern. Darunter waren auch Vize-Parlamentschef Jerzy Szmajdzinski, Vize-Außenminister Andrzej Kremer, der Chef der Nationalbank Slawomir Skrzypek sowie viele Parlamentarier. Unter den Toden sind zudem der Generalstabschef Franciszek Gagor sowie Oberbefehlshaber mehrerer Waffengattungen. Auch Militärbischof Tadeusz Ploski war am Bord.

Selbst Regierungschef Donald Tusk, der seinem Konkurrenten Kaczynski 2005 bei der Präsidentenwahl unterlegen war, kamen die Tränen, als er von der Nachricht erfuhr. Tusk berief umgehend eine Krisensetzung seines Kabinetts ein. Um die Kontinuität der Macht zu erhalten, übernimmt laut Verfassung Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski die Geschäfte des Staatsoberhaupts. Er soll innerhalb von 14 Tagen über vorgezogene Präsidentenwahlen entscheiden.

Ursprünglich sollte der neue Präsident im Herbst gewählt werden. Der Kandidat der Regierungspartei PO, Komorowski, galt als Favorit der Wahl. Die Kommentatoren erwarteten einen harten Wahlkampf zwischen ihm und dem Amtsinhaber. Die Liberalkonservativen um Tusk und Nationalkonservativen um die Kaczynski-Zwillinge wetteifern seit Jahren mit harten Bandagen um die Macht. Kaczynskis Tod machte nun die Gefahr einer Schlammschlacht gegenstandslos.

dpa

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