"Sie waren der Teufel in Person!"

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Önder B. ist schuldig gesprochen worden, seine 18-jährige Frau auf bestialische Weise ermordet zu haben. Er muss lebenslang ins Gefängnis.

Bielefeld - Erstochen, erschlagen, überfahren: Für den bestialischen Mord an einer 18-Jährigen hat das Landgericht Bielefeld am Montag ihren Ehemann aus der Türkei zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der angeklagte 27 Jahre alte Cousin und Ehemann des Opfers hatte im Prozess ein Geständnis abgelegt. Demnach hat er die junge Türkin in der Neujahrsnacht nahe Gütersloh (Nordrhein- Westfalen) zuerst niedergestochen, dann mit einem Billardqueue geschlagen und zuletzt dreimal absichtlich mit einem Auto überfahren. Sie war verblutet. “Sie waren der Teufel in Person, der diese Tat begangen hat“, sagte die Vorsitzende Richterin Jutta Albert zu einem Brief des Mannes aus dem Gefängnis, in dem er sich als besessen während der Tat bezeichnet hatte. Motiv soll Eifersucht gewesen sein. Die Tat bewege sich auf der “sittlich niedrigsten Stufe“, so Albert.

Mehrere Zuschauer wurden noch vor dem Urteil des Saals verwiesen: Die Verwandten hatten den Mörder wie schon an anderen Prozesstagen heftig beschimpft. Mehr Justiz- und Polizeibeamte als sonst saßen im Raum. Der Mann hatte seinen Wohnsitz in der Osttürkei, die 18-Jährige war im Kreis Gütersloh aufgewachsen. Beide hatten im Sommer 2007 in der Türkei eine arrangierte Ehe geschlossen. Zurück in Deutschland hatte sich die jugendliche Braut vom Mann in der Türkei abgewandt. Die Beziehung sei sehr ambivalent gewesen und die Frau innerlich zerrissen, sagte Albert. Zeugen hatten berichtet, dass das Opfer über den Mann gesagt hat: “Er ist ein Blödmann. Und er nervt.“ Schließlich war der 27-Jährige illegal nach Deutschland gereist. Trotz mehrerer SMS-Todesdrohungen des Mannes hatte sich das Paar vorerst versöhnt.

Wenn es so war, wie der Angeklagte einem Psychologen geschildert hat, hatte es in der Mordnacht Streit im Auto gegeben, weil die Ehefrau dem Mann dreimal den falschen PIN-Code ihres Handys sagte. Sie wollte vermutlich nicht, dass er Nachrichten und Anrufe auf dem Telefon kontrollieren konnte. Nach drei Fehlversuchen wurde dann automatisch der Zugriff gesperrt. Der 27-Jährige ist nach den Worten der Richterin eine “narzisstische Persönlichkeit“, also leicht zu kränken, mit Neigung zu extremem Stolz und Eifersucht.

Ein Gutachter hat ihn für voll schuldfähig erklärt - trotz des “Overkills“ beim Mord. Der Angeklagte habe beschlossen, dass seine Frau nicht zu leben verdiente, sagte die Richterin. “Er spielte sich auf zu einem lieben Gott.“ Das Opfer hatte immer wieder versucht zu fliehen. Zuletzt war sie blind gewesen, weil der Mann mit dem Obstmesser auch ihre Augen getroffen hatte. “Das Gericht hatte Feststellungen zu treffen, die den hartgesottensten Menschen frieren lassen“, sagte die Richterin.

dpa

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