Das ist der siebenmilliardste Mensch

Manila - Die Weltbevölkerung hat in der Nacht zum Montag einen neuen Rekord erreicht. Ein philippinisches Mädchen wurde zum siebenmilliardsten Mensch gekürt. Was sie als Geschenk bekommt:

Sie kam zwei Minuten vor Mitternacht zur Welt und wurde als siebenmilliardster Erdbenbürger begrüßt: Die neugeborene Tochter eines philippinischen Taxifahrers erhielt zu ihrer Geburt in Manila einen Schokoladenkuchen mit der Aufschrift “7B Philippinen“ und einen Gutschein für ein paar Schuhe. Aber die kleine Danica May Camacho ist nicht die einzige, die den Titel für sich beanspruchen kann. Auch in Indien wurden das siebenmilliardste Baby gefeiert. Da die exakte Zuordnung einer Geburt kaum möglich ist, hatten die Vereinten Nationen einen “Tag der sieben Milliarden“ ausgerufen.

“Sie sieht so süß aus“, sagte die von Fotografen umringte Mutter Camille Galura in einem Kreißsaal in der Hauptstadt Manila. Für sie ist es das zweite Kind mit ihrem Ehemann, der mit seinem kleinen Lohn die Familie ernähren muss. Dr. Eric Tayag vom philippinischen Gesundheitsministerium erklärte, die Geburt sei auch eine Warnung. “Sieben Milliarden ist eine Zahl, über die wir gut nachdenken sollten“, sagte er. “Wir sollten uns auf die Frage konzentrieren, ob es für jedes Kind ausreichend Nahrung, sauberes Wasser, Unterkunft, Bildung und ein anständiges Leben gibt.“

Die philippinische Regierung unterstützt ein Programm zur Familienplanung, das auch Verhütungsmittel einschließt. Die im Land einflussreiche katholische Kirche spricht sich jedoch vehement gegen jede Verhütung aus.

Rasantes Wachstum im 20. Jahrhundert

Camacho ist Katholikin wie ihr Ehemann. Sie erklärte, sie kenne die Haltung der Kirche, wolle künftig aber trotzdem verhüten. “Die Zahl der obdachlosen Kinder auf den Straßen wächst immer weiter“, sagte sie. “Wenn ich sie sehe, fühle ich mich schlecht, weil ich esse und sie vielleicht nicht.“

Demografen zufolge dauerte es bis 1804, bis die Weltbevölkerung die Milliardengrenze überschritt. Erst ein Jahrhundert später war 1927 die zweite Milliarde erreicht. Im 20. Jahrhundert beschleunigte sich die Entwicklung rasant: drei Milliarden 1959, vier Milliarden 1974, fünf Milliarden 1987, sechs Milliarden 1998. Die UN schätzen, dass die Weltbevölkerung 2025 acht Milliarden Menschen umfassen wird. Bis 2038 könnten es zehn Milliarden sein. Wie schnell diese Zahlen erreicht werden, hängt von vielen Faktoren ab: der Lebenserwartung, dem Zugang zu Verhütungsmitteln, der Kindersterblichkeit.

Weniger Mädchen als Jungen geboren

Im indischen Uttar Pradesh, dem bevölkerungsreichsten Unionsstaat im zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde, wollten die Behörden am Montag sieben Mädchen auswählen, die symbolisch für die sieben Milliarden Menschen auf der Erde stehen sollen. An diesem Tag wollte die Regierung auf das Problem der Bevorzugung von Jungen in den Familien hinweisen. “Es wäre passend, wenn das siebenmilliardste Baby ein Mädchen im ländlichen Indien wäre“, sagte der Gynäkologe Madhu Gupta. “Das würde helfen, die weltweite Aufmerksamkeit wieder auf die Mädchen zu lenken, die Benachteiligungen und Vorurteilen ausgesetzt sind.“

In Indien kommen nach Schätzungen der US-Regierung auf 1.000 neugeborene Jungen nur 893 Mädchen. In den USA sind es dagegen 955 Mädchen.

Die ausgewählten indischen Babys kamen am Montag in einem staatlichen Gesundheitszentrum in Mall zur Welt, am Rande von Lucknow, der Hauptstadt von Uttar Pradesh. Zwischen Mitternacht und 08.00 Uhr wurden hier sechs Kinder geboren. Vier von ihnen waren Jungen.

Peking will Ein-Kind-Politik fortsetzen

China, mit 1,34 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde, kündigte an, es werde an seiner Ein-Kind-Politik festhalten. Seit drei Jahrzehnten dürfen die meisten Familien in den Städten nur ein Kind bekommen, in ländlichen Regionen sind es zumeist zwei.

“Die Überbevölkerung bleibt eine der größten Herausforderungen für die soziale und ökonomische Entwicklung“, sagte der Direktor der Behörde für Bevölkerung und Familienplanung, Li Bin, der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. China werde im Jahr 2020 wohl 1,45 Milliarden Einwohner habe. Wie in Indien herrscht allerdings auch in China ein Ungleichgewicht der Geschlechter bei Neugeborenen. Hilfsorganisationen schätzen, dass in China 43 Millionen Mädchen weniger leben als angesichts der Bevölkerungszahl zu erwarten wäre.

dapd/dpa

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