Spionage-Thriller um Agenten und Nuklearexperten

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Der Moskauer Physiker Igor Sutjagin bei der Urteilsverkündung während seines Prozesses wegen Hochverrats in Moskau (Archivfoto vom 07.04.2004). Er wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Washington/Moskau - Die USA und Russland fädeln einen spektakulären Agentenaustausch ein. Neben den Spionen aus Russland, die kürzlich verhaftet wurden, dreht sich der Handel auch um einen Nuklearexperten.

Früher dauerte es Jahre, bis inhaftierte Spione wieder auf freien Fuß kamen - diesmal wohl nicht einmal zwei Wochen. Der TV-Sender ABC berichtete unter Berufung auf Beamte im US-Außenministerium, Moskau und Washington hätten sich auf einen spektakulären Agentenaustausch geeinigt.

Die zehn mutmaßlichen russischen Spione haben sich am Donnerstag vor einem US-Bundesgericht in New York für schuldig erklärt. Das Schuldbekenntnis könnte den Weg zu dem größten russisch-amerikanischen Agentenaustausch seit dem Kalten Krieg ebnen. Die Angeklagten waren in der vergangenen Woche festgenommen worden.

In Moskau hatten zuvor Sondereinsatzkräfte der Polizei die Umgebung des Lefortowo-Gefängnisses abgesperrt, in dem verurteilte Westspione inhaftiert sein sollen. Ein wegen Spionage verurteilter russischer Wissenschaftler, Igor Sutjagin, traf angeblich schon am Nachmittag in Wien ein. Er sei einer der Schlüsselfiguren in dem Austausch-Thriller.

Sutjagin sollte angeblich von Österreich aus vom britischen Geheimdienst nach London gebracht werden. Eine offizielle Bestätigung gab es aber auch dafür nicht. Zunächst mussten alle zehn Beschuldigten noch am Donnerstag (Ortszeit) vor einem Gericht in New York erscheinen. Dort

Die Gerichtszeichnung zeigt den Haftprüfungstermin der mutmaßlichen, russischer Spione Michael Zottoli (li.) und Patricia Mills (2.v.l.) in Alexandria.

sollte die Anklage verlesen werden, danach sollten sich alle formell schuldig bekennen. Dann könnte der erste russisch-amerikanische Agentenaustausch seit 24 Jahren anlaufen. Auch der Anwalt Robert Baum, der die mutmaßliche Spionin Anna Chapman (28) vertritt, sagte der Zeitung “New York Times“, er erwarte ein baldiges Ende der Angelegenheit. Inoffiziell hieß es in beiden Hauptstädten, man wolle die “leidige Angelegenheit“ möglichst schnell vom Tisch haben. US-Präsident Barack Obama hatte erst kürzlich seinen Kollegen Dmitri Medwedew empfangen, beide wollen bessere Beziehungen. Obama braucht die Unterstützung aus Russland nicht zuletzt, um die Daumenscraube im Atomstreit mit Teheran weiter anzuziehen.

Der US-Top-Diplomat William J. Burns hatte sich schon am Mittwoch mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak getroffen. Dabei dürften Details des spektakulären Deals geklärt worden sein, hieß es. Laut russischen Medien könnte zumindest Chapman freigelassen werden und bereits an diesem Freitag in Moskau eintreffen.

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Zeitungen in Moskau nannten am Donnerstag die Namen mehrerer Häftlinge, die in Russland wegen Spionage für den Westen einsitzenund ausgetauscht werden könnten. Dies seien außer Sutjagin die als Doppelagenten verurteilten Alexander Saporoschski und Alexander Sypatschow sowie Sergej Skripal.

Das Außenministerium in Moskau lehnte jeden Kommentar ab. Auch die Sprecherin von Kremlchef Dmitri Medwedew, Natalia Timakowa, sagte, der Präsident nehme dazu vorerst keine Stellung. Moskauer Medien hatten berichtet, der Staatschef müsse die in Russland inhaftierten Männer vor einem Austausch zunächst formell begnadigen. In den Jahren des Kalten Krieges - der großen Zeit der Spionage - wurden immer wieder Agenten zwischen der Sowjetunion und dem Westen ausgetauscht. Schauplatz war häufig das damals geteilte Berlin.

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Sutjagin war 2004 in einem vielbeachteten Prozess zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Moskauer Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass der heute 45 Jahre alte Wissenschaftler Informationen über die russische Raketenabwehr sowie über Atom-U-Boote an eine britische Agentur mit Kontakten zum US-Geheimdienst übergeben hatte.

Ende Juni hatte die US-Bundespolizei FBI in einem spektakulären Schlag gegen einen mutmaßlichen russischen Spionagering zehn Verdächtige festgenommen. Einem angeblichen elften Mitglied gelang auf Zypern die Flucht. Seitdem bemühten sich die USA und Russland um Schadensbegrenzung.

dpa/dapd

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