Studie über Anforderungen an Mondlandung

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Die Deutschen wollen auch auf den Mars. Eine Studie soll die technischen Anforderungen klären.

Bremen - Eine Studie soll die technischen Anforderungen an eine Mondlandung klären. Ab 2012 könnten dann auf Basis der Ergebnisse erste Tests starten.

Fast 40 Jahre nach der ersten Mondlandung setzt nun auch die deutsche Raumfahrt zum Sprung auf den Erdtrabanten an: Spätestens 2012 soll ein erstes Testfahrzeug auf dem Himmelskörper landen, von 2020 an könnten dann unbemannte Transporter regelmäßig zu dem Erdtrabanten fliegen. Welche technologischen Anforderungen ein Landefahrzeug dafür erfüllen muss, sollen von Juli an ein Experten- Team von EADS-Astrium in Bremen im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) untersuchen.

In einem ersten Schritt sollen Schlüsseltechnologien identifiziert werden, die für weiche und präzise Landungen notwendig seien, wie Bereichsleiter Peter Kyr am Freitag erklärte. Eine Mondlandung setzt nach Angaben von Kyr eine völlig neuartige Navigation voraus, die mit optischen Sensoren ausgestattet ist und komplett eigenständig agieren kann. “Dafür gibt es bereits Schlüsseltechnologien, die aber noch nicht für den Bau ausgereift sind“, sagte Kyr.

Zahlreiche Tests ab 2012

Das Landefahrzeug müsse Hindernisse von alleine erkennen und entsprechend darauf reagieren können - und das innerhalb weniger Sekunden. Die Ergebnisse der mit einer Million Euro ausgestatteten Studie sollen spätestens Anfang 2010 vorliegen. In einem zweiten Schritt soll dann von 2012 an ein erstes Fahrzeug für Tests auf der Erde entwickelt werden. Den Auftrag dazu werde die DLR wieder ausschreiben, sagte der Leiter Orbitale Systeme und Exploration, Michael Menking. Er setzt jedoch darauf, dass Astrium auch dafür den Zuschlag bekommt. Das Unternehmen, das auch den vollautomatischen Raumtransporter ATV und die Endstufe der Ariane 5- Rakete baut, bringe die nötigen Vorkenntnisse mit.

Für die Tests auf der Erde soll ein Hubschrauber das Landefahrzeug aus 1,5 Kilometern Höhe abwerfen, damit es eine ähnliche Geschwindigkeit wie bei einer Mondlandung erreicht. “Von da an läuft alles gleich ab, bis auf dass wir auf der Erde eine sechsmal höhere Schwerkraft haben, die zusätzliche Triebwerke ausgleichen müssen“, erläuterte Kyr. Zwischen 2016 und 2018 könnten erste Tests auf dem Mond folgen. In Europa würden derzeit verschiedene Einrichtungen und Unternehmen an Bausteinen für eine Mondlandung arbeiten. Diese würden jedoch nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern sich ergänzen.

Wie auch die US-Raumfahrtbehörde NASA plant ihr europäisches Gegenstück ESA, den Mond als Plattform für weitere Erkundungsflüge durch unser Sonnensystem zu nutzen. Dafür will sie in den kommenden Jahren bis zu zehn Milliarden Euro aufwenden. “Europa möchte hier nicht den Juniorpartner spielen, sondern einen wesentlichen Beitrag leisten“, betonte Kyr. Mit der Erforschung des Monds könnten Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Entstehung der Erde ziehen, ergänzte Menking. Außerdem sei er ein geeignetes Testfeld für Technologien zur Erkundung anderer Himmelskörper wie dem Mars.

dpa

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