Elf Tote bei Taliban-Anschlag auf UN-Gästehaus

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Polizisten sperren in Kabul die Unglücksorte ab.

Kabul - Gut eine Woche vor der Präsidentenstichwahl in Afghanistan sind am Mittwoch bei einem Anschlag der radikalislamischen Taliban auf ein UN-Gästehaus in Kabul elf Menschen getötet worden.

Unter den Toten sind fünf Mitarbeiter der Vereinten Nationen und die drei Selbstmordattentäter. Mit dem Blutbad im Herzen Kabuls machten die Fundamentalisten ihre Drohung wahr, die Vorbereitungen für die Wahl am 7. November zu torpedieren. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte umgehend, die Vereinten Nationen würden das Land nicht im Stich lassen.

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Drei mit Sprengstoffwesten und Schnellfeuergewehren bewaffnete Extremisten stürmten am frühen Morgen das von den UN genutzte Gästehaus in der Hauptstadt und töteten acht Menschen, wie die Polizei mitteilte. Die Täter hatten sich als Polizisten verkleidet. Alte Polizeiuniformen, wie die Attentäter sie trugen, gibt es überall auf Märkten zu kaufen. Bei dem Gefecht kamen auch die drei Angreifer ums Leben. Wenig später traf eine Rakete den Präsidentenpalast, eine andere Rakete schlug in dem von vielen Ausländern besuchten Luxus-Hotel Serena in Kabul ein, explodierte aber nicht. Sie hüllte die Lobby in dichten Rauch, Gäste und Angestellte flohen in den Keller.

Taliban bekennt sich

Ein Taliban-Sprecher bekannte sich im Namen der Aufständischen zu den Anschlägen. Er erklärte, man habe alle gewarnt, die an der Durchführung der Stichwahl zwischen Amtsinhaber Hamid Karsai und dem Exaußenminister Abdullah Abdullah mitarbeiteten. “Das war unser erster Angriff“, sagte er. Die Vereinten Nationen wollen sich von dem Terror aber nicht in die Knie zwingen lassen. “Wir lassen uns von unserer Arbeit nicht abbringen“, bekräftigte UN-Missionschef Kai Eide. Ähnlich äußerte sich auch UN-Generalsekretär Ban in New York.

Nach einem Bombenanschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad im August 2003, bei dem 22 Menschen getötet wurden, hatten sich die Vereinten Nationen für mehrere Jahre aus dem Irak zurückgezogen. UN-Sprecher Adrian Edwards sagte, bei dem Anschlag seien fünf UN-Mitarbeiter getötet und neun weitere verletzt worden. Unter den Toten ist ein Amerikaner. Insgesamt waren demnach 25 UN-Mitarbeiter in dem Gästehaus registriert. Ob sie sich zum Zeitpunkt des Angriffs alle dort aufhielten, war zunächst nicht bekannt. Dem Anschlag fielen auch zwei Sicherheitsleute und eine afghanische Zivilperson zum Opfer.

Unter den Verletzten ist nach afghanischen Angaben möglicherweise auch ein Deutscher. In Berlin wurde dies aber zunächst nicht bestätigt. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts erklärte: “Nach derzeitigem Kenntnisstand sind keine Deutschen betroffen.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem “feigen Anschlag“ und fügte hinzu: “Ein Anschlag auf die Vereinten Nationen ist ein Angriff auf uns alle.“

McCain drängt Obama zu Afghanistan-Entscheidung

Die US-Regierung erklärte, der Anschlag sei ein Versuch, die Präsidentenstichwahl zu stören. Den Extremisten werde dies aber nicht gelingen. Der republikanische US-Senator John McCain drängte unterdessen Präsident Barack Obama eindringlich zu einer raschen Entscheidung über seine künftige Afghanistan-Strategie.

Seit Wochen berät Obama mit seinen engsten Mitarbeitern, ob er der Forderung des ISAF-Kommandeurs US-General Stanley McChrystal nach einer Truppenaufstockung um 40.000 Mann zustimmen soll. Das Weiße Haus hatte am Dienstag erklärt, Obama werde seine nächsten Schritte in Afghanistan in den kommenden Wochen bekanntgeben.

AP

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