900 Euro Strafe für Attentat auf Hitler-Wachsfigur

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Dieser Hitler-Wachsfigur hat der Mann den Kopf abgerissen.

Berlin - Nach der Attacke auf die Wachsfigur von Adolf Hitler muss der Täter 900 Euro Geldstrafe zahlen.

Der frühere Polizist Frank L. hatte vor einem Berliner Amtsgericht erklärt, er habe gegen das kommerzielle Interesse der Ausstellung Madame Tussauds protestieren wollen. Hitler am Ort des Naziterrors dämonisch und voller Energie darzustellen sei völlig unangemessen.

Bei dem Angriff Anfang Juli 2008 hatte der Angeklagte der Figur den Kopf abgerissen und einen Wachmann leicht an der Hand verletzt. Der heute arbeitslose Mann wurde wegen Körperverletzung verurteilt.

Es kam zum Prozess, weil der Hitler-Attentäter Einspruch gegen einen ersten Strafbefehl von 1800 Euro eingelegt hatte. Der Wachs- Hitler wird jetzt in veränderter Form präsentiert.

Der arbeitslose 42-Jährige hatte sich daran gestört,  “wie ungeniert Hitler positiv dargestellt" wird. Die Justiz hatte zunächst mit einem Strafbefehl über 1.800 Euro auf die Tat reagiert. Weil der Hartz-IV-Empfänger aus Berlin-Kreuzberg Einspruch einlegte, wurde der Prozess notwendig. Die Anklage bezifferte den Sachschaden an der 200.000 Euro teuren Wachsfigur auf 6.325 Euro. L. hatte die Tat mit Freunden in seiner Kreuzberger Stammkneipe am Tag vor der Eröffnung der Berliner Filiale des weltberühmten Londoner Museums ausgeheckt.

“Ich habe mich gewissermaßen von meinen Bekannten einschwören lassen“, sagte er vor Gericht. Am nächsten Morgen machte er sich zu Madame Tussauds in der Nähe des Brandenburger Tores auf, und gelangte als zweiter Besucher in das Wachsfigurenkabinett.

Dass Adolf Hitler dort zusammen mit dem sozialdemokratischen Ex-Kanzler Willy Brandt den Mittelpunkt der Ausstellung bildete, empörte ihn besonders. Er stürzte sich auf die an einem Schreibtisch platzierte Hitler-Figur, schrie “Nie wieder Krieg“, “Tod für den Führer“ und “Kampf dem Faschismus“ und enthauptete Hitler schließlich mit einem Fußtritt. Bei einem anschließenden Gerangel erlitt ein Wachmann Schürfwunden am Arm.

Vor Gericht zeigte der Täter Reue

Die von Madame Tussauds gewählte Darstellung zeigte Hitler in seinem Führerbunker im Jahr 1944. Schon vor der Eröffnung hatte es eine heftige Diskussion darüber gegeben, ob der Diktator überhaupt in einem kommerziellen Museum ganz in der Nähe des Holocaust-Mahnmals präsentiert werden dürfe. Der Angeklagte, der sich als “Menschen mit politischem Bewusstsein“ bezeichnete, empfand die Darstellung als “völlig unangemessen“. Er zeigte allerdings auch Reue. “Ich würde das alles in allem nicht nochmal machen“, sagte er.

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Das Ergebnis seines Angriffs wertete der “Hitler-Attentäter“ aber als Erfolg. Die restaurierte Hitler-Darstellung, die zweieinhalb Monate nach dem “Attentat“ von Madame Tussauds präsentiert wurde, zeige den Diktator als gebrochenen Mann “mit zur Schlinge aufgezogener Krawatte wie in einer Zelle“. Die Museumsleitung entschied sich nach dem Anschlag dafür, Hitler in einem nicht zugänglichen Raum hinter einer Glasscheibe zu zeigen. Die Krawatte ist nun geöffnet und das Haar zerzaust. Verteidiger Richard Radtke kritisierte ebenfalls die ursprüngliche Hitler-Darstellung. “Die austarierte Erinnerungskultur in Berlin ... glaubte man außer Acht lassen zu können“, sagte er. Madame Tussauds habe ein “an der Nazi-Propaganda ausgerichtetes Hitler-Konterfei“ geschaffen. Erst nach der Zerstörung der Figur haben man sich dafür entschieden Hitler “als wilden, zerrauften Wüstling“ zu zeigen.

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