Urteil im Holzklotz-Prozess: Lebenslange Haft

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Der Holzklotz-Werfer: Nikolai H. ist 31 Jahre alt und drogenabhängig.

Oldenburg - Der Holzklotz-Werfer von Oldenburg ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nikolai H. (31) tötete an Ostern 2008 eine Frau. Sein Verteidiger will in Revission gehen.

Im Prozess um den tödlichen Holzklotzwurf von einer Autobahnbrücke hat das Landgericht Oldenburg den Angeklagten Nikolai H. zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sprach den 31-Jährigen am Mittwoch wegen Mordes, dreifachen Mordversuchs und vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr schuldig und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch aus Mangel an Beweisen gefordert. H. hatte die Tat vom Ostersonntag 2008 zunächst gestanden, später aber widerrufen.

Geschockt: Nikolai H. bei der Urteilsverkündung.

Bei dem tödlichen Wurf von einer Autobahnbrücke in Oldenburg auf die A29 kam am 23. März vergangenen Jahres eine 33-jährige Mutter zweier Kinder ums Leben. Der rund sechs Kilo schwere Klotz durchschlug die Windschutzscheibe des Autos und tötete auf dem Beifahrersitz die 33 Jahre alte Olga K. vor den Augen von Mann und Kindern. Nachdem die Polizei zunächst nach einer Gruppe Jugendlicher gefahndet hatte, wurde am 20. Mai 2008 Haftbefehl gegen den heroinsüchtigen H. erlassen, der sich zunächst als Zeuge gemeldet hatte.

Da die Ermittler auf dem Grundstück seiner Wohnung ähnliche Holzklötze sowie Sand wie der an der Tatwaffe fanden, wurde er am 21. Mai verhaftet. Er legte ein Geständnis ab und gab als Motiv allgemeinen Frust und Perspektivlosigkeit an. Am 9. Juni widerrief er sein Geständnis, wobei er sich auf Entzugserscheinungen und polizeilichen Druck berief.

Widerrufenes Geständnis als glaubwürdig eingestuft

Der Prozess gegen H. begann am 4. November vor dem Landgericht Oldenburg. Ein Gutachter erklärte das widerrufene Geständnis für glaubwürdig. H.s Verteidiger Matthias Koch erklärte in seinem Plädoyer, es gebe weder DNA-Spuren noch Fingerabdrücke an Tatwaffe und Tatort und somit keinen sachlichen Beweis für H. als Täter. Das Geständnis sei möglicherweise aus anfänglicher Wichtigtuerei zustandegekommen. Koch verwies darauf, dass H. bereits 1998 eine Falschaussage gemacht habe. Seinerzeit gestand er wahrheitswidrig, einen Unfall mit zwei Toten verursacht zu haben.

Verteidiger will in Revision gehen

Nach dem Urteil hat die Verteidigung Revision bereits angekündigt. “Klar, ich werde auf jeden Fall Revision beantragen“, sagte am Mittwoch Pflichtverteidiger Matthias Koch im Anschluss an die Verhandlung. Zur Begründung könne er noch nichts sagen, er müsse zunächst Detailfragen klären und die genaue Urteilsbegründung abwarten.

dpa

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