Vorbereitungen laufen

Verhandlungen: Ärzte drohen wieder mit Streik

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Die Verhandlungen über die Ärztehonorare gehen nun möglicherweise in die entscheidende Runde.

Berlin - Es sollen die größten Ärzteproteste seit sechs Jahren werden. Weiß dürfte in vielen deutschen Städten an diesem Mittwoch zu einer dominierenden Farbe werden.

Am Dienstag liefen die Vorbereitungen, obwohl die Honorarverhandlungen der obersten Kassenmediziner Deutschlands in Berlin mit den Krankenkassen längst nicht zu Ende waren.

„Dies ist kein Ärztestreik - dies ist ein Sklavenaufstand“, war auf Protestschildern zu lesen, als sich rund 30 000 Ärzte 2006 in Berlin versammelten. Seither sind die Ausgaben der Krankenkassen für Ärzte um rund fünf Milliarden Euro gewachsen. Doch haben die Funktionäre den Ärzten jetzt kaum weniger deutliche Slogans vorgeschlagen, etwa: „Wir kümmern uns um die Rentner, Krankenkassen um die Rendite“. Und für Ärzte, die das Demonstrieren noch nicht so gewohnt sind, gibt es Tipps: „Zu große und schwere Plakate sind insbesondere beim Umzug eine Plage.“

Auf was müssen sich die Patienten einstellen? Zunächst geht es nur um geschlossene oder teils geschlossene Praxen an diesem einzelnen Aktionstag. 25 000 bis 30 000 Mediziner und Angestellte wollen laut Organisatoren mitmachen. Allein die Zahl von 150 000 Ärzten und Psychotherapeuten insgesamt zeigt, dass eine Mehrheit wohl auf eine Teilnahme verzichten will.

Die Allianz der Ärzteverbände, die die Proteste organisiert, will über nächste Eskalationsstufen zwar bald beraten. Doch einen richtigen Streik wird es nicht geben. Denn jeder Vertragsarzt hat eine Präsenzpflicht. Die Mediziner müssen bei einer vollen Zulassung an ihrem Arztsitz persönlich mindestens 20 Stunden wöchentlich in Sprechstunden zur Verfügung stehen.

Organisiert werden die Proteste dezentral, aber von einzelnen Verbänden durchaus generalstabsmäßig, wobei zum Beispiel die Fäden fürs Rheinland bei den Kinder- und Jugendärzten zusammenlaufen. Wie groß ist der Frust in den Praxen?

So viel kassieren niedergelassene Ärzte

So viel kassieren niedergelassene Ärzte

Ihre eigene wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut bewerten 79 Prozent der niedergelassenen Ärzten, wie eine Allensbach-Umfrage von 2011 gezeigt hat. Im aktuellen „Stern“ werden Ärzte mit Bruttoeinkommen zwischen 45 000 auf der einen und 230 000 auf der anderen Seite vorgestellt. Der anonym bleibende Spitzenverdiener, ein Nierenspezialist, sagt: „Ich verdiene sehr viel Geld.“ Seine am wenigsten verdienende Kollegin, eine Allgemeinärztin, meint hingegen, lange könne sie so nicht mehr durchhalten.

Was kommt bei den Verhandlungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der Krankenkassen heraus? Werden es gemäß eines Angebots der Kassen 900 Millionen mehr für die 150 000 Mediziner und Psychotherapeuten? Oder kommt noch einiges obendrauf, um die Mediziner zu besänftigen?

Wie immer es ausgeht - die eigentlichen Verteilungskämpfe finden in der Ärzteschaft selbst statt. Nach der jüngsten amtlichen Statistik lagen die Allgemeinmediziner mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 116 000 Euro am unteren Ende beim Ärzteverdienst von gesetzlichen und privaten Kassen abzüglich der Aufwendungen in der Praxis, aber vor Steuern und Abgaben. Spitzenreiter sind die Radiologen mit 264 000 Euro. Die Zahlen stammen aber aus dem Jahr 2007 - neuere Daten werden gerade erhoben.

Für die Verteilung des Gelds sind die 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in den Regionen zuständig. Und je nach Einfluss der einzelnen Facharztgruppen gibt es für die einen oder anderen Mediziner mehr oder weniger Geld. Hinter den Kulissen fehle es den Ärzten an jeder Solidarität mit den Kollegen, kritisiert der ehemalige Chef der KV Nordrhein, Leonhard Hansen, in der „Zeit“: „Es geht nur noch darum, sich das größte Stück vom Kuchen abzuschneiden.“

dpa

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