Atomausstieg: Wirtschaft pocht auf Verlässlichkeit 

Berlin - Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft fordern von der Bundesregierung Verlässlichkeit bei der beschlossenen Energiewende.

Handwerkspräsident Otto Kentzler sagte am Montag der Nachrichtenagentur dapd, bei dieser gewaltigen Aufgabe müsse für Planungssicherheit gesorgt werden. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte, sonst sinke die Investitionsbereitschaft von Unternehmen. DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann äußerte sich in einem dapd-Interview zugleich besorgt über die Entscheidung der Bundesregierung für einen Atomausstieg bis zum Jahr 2022. Es stehe nicht fest, dass bis dahin eine gesicherte Stromversorgung ohne Kernkraft in Deutschland aufgebaut werden könne.

Der Beschluss zum Atomausstieg werde zwar in der Wirtschaft Kräfte freisetzen und neue Chancen für innovative Energiekonzepte eröffnen. Driftmann fügte hinzu: “Wenn aber die Bundesnetzagentur und die Deutsche Energieagentur feststellen, dass die Energienetze schon jetzt an der Belastungsgrenze arbeiten, ist das ein Grund zur Beunruhigung.“ Der Industriestandort Deutschland sei auf eine nachhaltig gesicherte Stromversorgung angewiesen.

Driftmann dringt auf wettbewerbsfähige Strompreise

Der DIHK-Präsident betonte: “Wettbewerbsfähige Strompreise sind eine wichtige Voraussetzung für die Produktion hierzulande. Nach Ankündigung des Moratoriums durch die Bundesregierung sind die Strompreise für Gewerbekunden an der Leipziger Strombörse um 14 Prozent gestiegen und verharren seitdem auf diesem Niveau.“ Deutlich höhere Belastungen als für die internationalen Wettbewerber seien auf Dauer für die deutschen Unternehmen nicht zu verkraften. Besonders liege ihm “am Herzen, dass die Bundesregierung stärker als bisher die Veränderungen in der Stromversorgung mit den europäischen Nachbarn abstimmt“.

Der DIHK-Präsident fügte hinzu: “Denn unsere Entscheidungen werden den Strom in ganz Europa verteuern.“ Er bekräftigte ferner: “Die erforderlichen Investitionen in neue Kraftwerke, Speicher und Netze brauchen einen verlässlichen Rahmen.“ Kentzler mahnte, die Handwerksunternehmen müssten “darauf vertrauen können, dass sich ihre Investitionen in Aus- und Weiterbildung sowie Forschung und Entwicklung rechnen“. Er fügte hinzu: “Zugleich müssen wir darauf achten, dass beim Umstieg in der Energieversorgung die Kosten im Griff bleiben.“ Energie müsse “bezahlbar bleiben - für Privathaushalte genauso wie für Betriebe“.

Kentzler sieht Handwerk gut vorbereitet 

Nach Ansicht von Kentzler überwiegen für das Handwerk die positiven Folgen des Atomausstiegs. Die Einsparpotenziale im Gebäudebestand seien “gewaltig, schließlich entfallen 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf diesen Bereich“. Kentzler betonte: “Das Handwerk ist gut vorbereitet: Meister und ihre Mitarbeiter verfügen über die notwendigen Kompetenzen bei der Entwicklung, der Beratung und der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen sowie bei erneuerbaren Energien.“ Auch wenn es um Energieerzeugung und um Energiedienstleistungen gehe, dürfe man nicht nur an die Großkonzerne denken. Der Handwerkspräsident fügte hinzu: “Unsere Betriebe tragen entscheidend dazu bei, die Energiebereitstellung stärker zu dezentralisieren und den Wettbewerb auf den Energiemärkten funktionsfähiger zu machen.“

dapd

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