Wegen Flugverbot: BMW droht Bandstillstand

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Steht hier bald das Fließband still?

München - Die deutsche Industrie ist besorgt: Wenn das Flugverbot noch zwei Tage länger dauert, könnten viele Unternehmen in ernsthafte Schwierigkeiten geraten - nicht nur BMW.

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Das Flugverbot wegen der Vulkanasche aus Island zeigt erste Auswirkungen auf die Logistik großer deutscher Industrieunternehmen. So können beim Autobauer BMW derzeit wichtige Komponenten wie Getriebe nicht in die USA transportiert werden, sagte ein Sprecher am Montag. Zwar laufe die Produktion in allen Werken momentan noch regulär weiter, wenn der Flugstopp aber noch zwei Tage weitergehe, könnte es kritisch werden. “Im schlimmsten Fall droht ein Bandstillstand“, sagte der Sprecher. Davon könnten alle Standorte des Autobauers betroffen sein.

Auch der Chipkonzern Infineon spürt die Beeinträchtigungen in seiner Lieferkette. Der Transport per Flugzeug sei ein wichtiger Teil der weltweiten Logistik von Infineon, sagte ein Unternehmenssprecher. Wo es möglich sei, versuche man, alternative Transportmöglichkeiten über den Land- oder Seeweg zu organisieren. Produktionsausfälle gebe es bisher zwar noch nicht, doch könnten diese nicht ausgeschlossen werden.

Für andere Großunternehmen in Bayern verlaufen die Flugverbote bisher glimpflich. So hieß es beim Elektrokonzern Siemens, man sei relativ flexibel in der Logistik und habe sich rasch auf die Situation eingestellt. Falls Geschäftsreisen betroffen seien, könne man umdisponieren und stattdessen auf Videokonferenzen ausweichen.

Audi transportiert per Bahn und Schiff

Auch die VW-Tochter Audi spürt bisher noch keine größeren Auswirkungen. Zwar komme es teils zu Verzögerungen, Umbuchungen oder Stornierungen bei dienstlichen Reisen, sagte ein Audi-Sprecher, die Produktion laufe aber bisher noch regulär, da die Teile weitgehend per Bahn, Schiff und Straße transportiert würden. Bei einigen kritischen Komponenten laufe aber bereits eine spezielle Überprüfung.

Bei BMW hat man eine derartige Beeinträchtigung des Luft- Transportes bisher noch nicht erlebt. Man suche nach Alternativen, um die Logistikkette aufrechtzuerhalten, doch sei die Dauer des Verbots derzeit nicht absehbar. “Alle hangeln sich von Flugverbot zu Flugverbot“, sagte der Unternehmenssprecher. Per Luftfracht werde bei BMW insgesamt nur ein sehr kleiner, zeitkritischer Teil der Fahrzeug- Komponenten transportiert. Der weiß-blaue Autobauer musste wegen des Flugverbots bereits auch einen Teil des Programms für eine in dieser Woche geplante China-Reise absagen.

Betroffen vom Stillstand am Himmel über Deutschland ist auch die weltgrößte Baumaschinenmesse Bauma in München. Zum Start der Schau seien noch etwa 80 der mehr als 3000 Stände auf dem Messegelände unbesetzt, sagte Messechef Klaus Dittrich am Montag in München. Allerdings seien viele Aussteller aus Europa mit Bussen oder mit dem Zug angereist. “Viele sind auch noch unterwegs.“ Die Vulkanasche verhinderte auch die Reise des indischen Transportministers Kamal Nath zum Auftakt der Messe, die am Sonntagabend offiziell eröffnet worden war. Indien ist in diesem Jahr Partnerland der Messe.

dpa/lby

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