Bloß ein „Marketing-Gag“?

Böller an Silvester: Supermärkte brechen mit Tradition - Feuerwerks-Importe fast verdoppelt

Kommt die Silvester-Revolution - oder doch nicht? Vor allem Umweltschützer fordern ein Böller-Verbot zum Jahreswechsel. Die Hersteller winken ab.

  • Eine aktuelle Umfrage zu einem möglichen Böller-Verbot hat ein klares Ergebnis gezeigt. 
  • Feuerwerks-Gegner argumentieren, dass es Feinstaub verursache und eine Gefahr für Kinder und Tiere sei. 
  • Erste Supermärkte nehmen nun Feuerwerk aus dem Sortiment.

Update vom 30. Dezember: Trotz Greta, WDR-Satire und Waldbränden: Die Importe von Böllern und Raketen für Silvester sind stark gestiegen. Im vergangenen Jahr wurde die Rekordmenge von 47.400 Tonnen Feuerwerkskörpern im Wert von 121 Millionen Euro nach Deutschland eingeführt, teilte das Statistische Bundesamt mit. Verglichen mit dem Vorjahr stieg die importierte Menge an Böllern und Co. demnach um fast 11 Prozent und gemessen am Jahr 1999 um 48 Prozent. Fast alle der Feuerwerkskörper stammten aus China.

Supermärkte brechen mit Tradition - alles bloß ein „Marketing-Gag“?

München - Wird der Böller-Boykott zum Trend? 57 Prozent der Deutschen sprechen sich für ein Böller-Verbot an Silvester aus. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov hervor, die das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nun veröffentlicht. Gegen ein solches Verbot waren den Demoskopen zufolge 36 Prozent der Befragten, unschlüssig waren sieben Prozent.

Und erste Händler reagieren darauf: Als prominenter Vertreter kündigte die Baumarktkette Hornbach jüngst an, von 2020 an in Deutschland kein Feuerwerk mehr ins Sortiment zu nehmen. Und einige Kaufleute bei Rewe und Edeka verzichten schon in diesem Jahr auf das lukrative Geschäft mit Krachern und Raketen, wie die dpa berichtet.

Böller-Verbot an Silvester: eine „Scheindebatte“ und ein „Marketing-Gag“?

„Die Knallerei dauert eine Stunde, aber Tierschutz und saubere Luft wollen wir 365 Tage im Jahr. Das passt nicht zusammen“, sagt etwa Uli Budnik, der einen Rewe-Markt in Dortmund leitet.

Der Verband der pyrotechnischen Industrie gibt sich dennoch weiter selbstbewusst. Man habe es mit einer „Scheindebatte“ zu tun, heißt es. Feuerwerk sei deutlich weniger schädlich als oft behauptet. Hornbachs Böller-Boykott nennt der Verband einen „Marketing-Gag“. 

Von den 33.000 Supermärkten in Deutschland verzichteten ohnehin nur wenige auf den Verkauf. Das Aldi-Süd-Sortiment enthält noch Feuerwerkskörper, um nur ein Beispiel zu nennen. Deutschlandweit hat die Branche 2018 etwa 133 Millionen Euro Umsatz mit Feuerwerk gemacht, und geht von ähnlichen Werten in diesem Jahr aus.

Feuerwerks-Firma zu Böller-Verbot: „Keinerlei Anzeichen für Verzichtsabsichten“

Für Feuerwerks-Firmen wie Weco könnte es an die Existenz gehen, sollten sich im kommenden Jahr auch die großen Ketten dem Boykott anschließen. Doch beim deutschen Branchenführer gibt man sich gelassen. Hornbach habe zuletzt ohnehin „keine nennenswerten Silvesterumsätze“ gemacht. Mit den Großkunden dagegen stehe man schon in Verhandlungen für Silvester 2020 und sehe dort „noch keinerlei Anzeichen für Verzichtsabsichten“.

Rewe-Marktleiter zu Böller-Verbot: „Geld verbrennen kann jeder, wie er will“

Der Dortmunder Rewe-Marktleiter Uli Budnik hat die georderten Kartons mit Silvesterfeuerwerk dennoch abbestellt, seine Entscheidung über Facebook kundgetan - und fast nur positives Echo bekommen, wie er sagt. Er kündigt an: „Wir werden das auch im nächsten Jahr beibehalten. Geld verbrennen kann jeder, wie er will. Aber wir machen da nicht mit.“

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht nun die Zeit für Veränderungen gekommen, da die Konsumenten so umweltbewusst sind wie lange nicht. „Wir hoffen, dass ein Ruck durch die Gesellschaft geht und die Menschen in diesem Jahr weniger Böller und Raketen kaufen“, sagt DUH-Chef Jürgen Resch. Anfang 2020 wolle man die Händler auffordern, den Feuerwerks-Verkauf komplett einzustellen.

Wer nicht mit allen seinen Freunden und Verwandten zusammen das neue Jahr feiern kann, möchte ihnen doch gerne eine Nachricht schicken. Hier gibt es die besten Neujahrswünsche.

dpa/frs

Rubriklistenbild: © dpa / Moritz Frankenberg

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