Sommerurlaub in Corona-Zeiten

Söder schwärmt von Bayern, doch Merkel fällt ihm ins Wort - Reise-Chefin platzt deshalb der Kragen

Die Aussichten für die Reisebranche sind trüb. Auch eine spaßig gemeinte Frotzelei kann da nicht zur Aufmunterung beitragen - im Gegenteil

Berlin - „Reisen steht vorerst nicht auf der Agenda“, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel am vergangenen Donnerstag auf der Pressekonferenz zu den beschlossenen neuen Lockerungen in Deutschland auf Nachfrage eines Journalisten. 

Sollten trotz des Infektionsgeschehens im Sommer tatsächlich wieder Urlaubsreisen innerhalb Deutschlands möglich seien, „kann ich jedem, der in den Süden fährt, sagen: Man muss nicht nach Österreich fahren. Man kann auch in Bayern Urlaub machen“, ergänzt CSU-Chef Söder. 

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Corona-Urlaub: Söder schwärmt von Bayern, da fällt ihm Merkel ins Wort

Daraufhin fällt ihm Merkel, deren Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern liegt, noch einmal ins Wort und stellt klar, dass man auch im Norden viel Spaß haben könne. Beide konnten sich ein Lachen nicht verkneifen. „Dann ist das ja geklärt, wo man hinfährt. Norden oder Süden.“ sagt Söder und fügt spitz hinzu: „der Westen ist da nicht dabei.“ Eine weitere Spitze gegen Armin Laschet, Ministerpräsident von NRW im Westen Deutschlands?

Eine nette Szene für viele am Rande der ernsten Corona-Statements in den vergangenen Tagen und Wochen.

Corona-Urlaub: Reise-Chefin platzt der Kragen

Nicht so für die Reisesparte. „Frau Merkel und Herr Söder machen Witze über eine derzeit sterbende Branche und die geplatzten Urlaubspläne von Millionen Menschen“, sagt Marija Linnhoff (57), Chefin des Verbands unabhängiger selbständiger Reisebüros, der Bild-Zeitung.

Kritik kommt auch aus der Opposition: FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg (39) findet das launige Gejuxe im Kanzleramt „fehl am Platze“. Dem gleichen Blatt legt sie dar: „Millionen Deutsche fragen sich, ob sie dieses Jahr in den hart ersparten Urlaub fahren können. Ihre Gastgeber bangen als Unternehmer um ihre Existenz und deren Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz.“

Und einem weiteren dürften die frotzelnden Worte nicht gefallen: Österreichs Kanzler Sebastian Kurz. Der ÖVP-Mann hofft auf Touristen - vor allem auch aus Bayern - und mit ihm die ganze Tourismusbranche seines Landes. Bild sagte er mit Blick auf die Infektionszahlen: „Wenn jemand in Ost-Deutschland lebt, kann es derzeit gefährlicher sein, nach NRW zu fahren, als nach Österreich.“

Ryanair meldet Jobabbau in Corona-Krise

Schlechte Nachrichten gibt es zudem vom Flugverkehr. Nachdem Lufthansa bereits auf Staatshilfen angewiesen ist und tausende Jobs im Gefahr sind, meldet nun auch die irische Billigfluglinie Ryanair einen massiven Stellenabbau: Bis zu 3000 der weltweit 18.000 Stellen sollten in Kürze gestrichen werden, teilte das Unternehmen am Freitag mit. 

Ins Auge gefasst werden den Angaben zufolge außer der Streichung von bis zu 3000 Stellen bei Piloten und Kabinenpersonal auch unbezahlter Urlaub, Lohnkürzungen von bis zu 20 Prozent sowie die Schließung einiger Standorte in Europa. Auch die Bestellung neuer Maschinen komme auf den Prüfstand.

"Die Lage ist düster", sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary dem Sender Bloomberg TV. 

Und sie dürfte sich zunächst nicht entspannen. Denn wie wir seit spätestens Donnerstag wissen steht Reisen nach Merkels Prognose „vorerst nicht auf der Agenda.“

Mögliche Erleichterungen erhoffen sich einige Akteure von sicheren Antikörpertests und einem „Immunitätsausweis“ - doch ein Gesetzentwurf sorgt für heftige Kritik und deutliche Warnungen.

Die Urlaubssaison rückt näher. Markus Söder hat aufgrund der Corona-Krise Gutscheine für Deutschland-Urlaub ins Spiel gebracht - ein kontraproduktiver Vorschlag. Ein Kommentar.*

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Rubriklistenbild: © dpa / Kay Nietfeld

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