Dax rutscht unter 6000-Punkte-Marke

Frankfurt - Der deutsche Leitindex Dax ist am Montag unter die Marke von 6000 Punkten gefallen. Am Nachmittag gab das Börsenbarometer um 3,95 Prozent auf 5989,66 Punkte nach.

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Nach einem leichten Plus am Morgen war der Dax im weiteren Handelsverlauf immer weiter ins Minus gerutscht. Zunächst hatte das Krisenmanagement der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen mit beruhigenden Aussagen der G7-Finanzminister noch geholfen, weiteren Schaden durch den Verlust der Topbonität der US-Staatsanleihen auszugleichen. In der Vorwoche war der Dax trotz der Einigung im US-Schuldenstreit in der längsten Verlustserie seit 1993 bereits um fast 13 Prozent abgerutscht.

Aus Angst vor einer weiteren Eskalation setzte der Goldpreis zu einer rasanten Rekordjagd an, während die Ölpreise kräftig fielen. Die Lage an den europäischen Anleihemärkten hellte sich hingegen deutlich auf.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte am Freitag nach Börsenschluss bekanntgegeben, dass sie die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft habe. Das hatte am Wochenende die Sorge vor einem Börsen-Crash am Montag genährt.

Dass der Absturz ausblieb, ist aus Sicht der Bundesregierung auch dem gemeinsamen Handeln von Europa und der Weltgemeinschaft zu verdanken. Deutschland und Frankreich, die Europäische Zentralbank (EZB), die G7- und G20-Staaten seien mit ihren Erklärungen zur Krise koordiniert vorgegangen, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans: “Ich glaube, dass Sie einen eindrucksvollen Beleg haben, dass die in Europa und teilweise auch weltweiten Handelnden mit einer sehr deutlichen und einheitlichen Stimme sprechen.“

Die EZB hatte am Sonntagabend signalisiert, dass sie nun auch Staatsanleihen der großen Euroländer Italien und Spanien kaufen wolle. Daraufhin purzelten am Montag die Renditen zehnjähriger italienischer und spanischer Anleihen kräftig: Die Refinanzierung wird somit für Rom und Madrid wieder günstiger. “Die Reaktion an den Märkten ist ein Hinweis dafür, dass die EZB bereits Anleihen kauft“, sagte Commerzbank-Ökonom Michael Schubert in Frankfurt.

Auch Händler verwiesen auf gezielte Käufe von Anleihen der hoch verschuldeten Eurozonen-Staaten Italien und Spanien durch die EZB. Dies habe die Renditen von festverzinslichen Papieren beider Länder extrem stark fallen lassen, hieß es. Im Mittagshandel sank die Rendite von zehnjährigen Anleihen aus Italien um 0,76 Prozentpunkte auf 5,314 Prozent. Bei den Papieren aus Spanien sank die Rendite 0,81 Prozentpunkte auf 5,228 Prozent.

Zuletzt standen Bonds im Wert von 74 Milliarden Euro in den Büchern der EZB - aus Griechenland, Portugal und Irland. Nachdem die Renditen für Anleihen Italiens und Spaniens über die kritische Marke von 6 Prozent geklettert waren, will die Notenbank nun als feuerwehr auch diesen Ländern zur Hilfe eilen. Denn die Finanzmarktteilnehmer sind nach den politischen Beschlüssen des EU-Gipfels im Juli ungeduldig, wie Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner betonte: “Die einzigen, die rasch und mit theoretisch unbegrenzten Mitteln eingreifen können, sind die Notenbanken.“ Die EZB kauft also einmal mehr Zeit, um die akute Krise zu dämpfen. Beendet werden könne die Krise aber nur, wenn die Staaten ihre Defizite zurückfahren und ihre Schuldenberge abtragen.

Bei den Staatsanleihen aus den übrigen hoch verschuldeten Staaten der Eurozone zeigte sich bei den Risikoaufschlägen ebenfalls eine deutliche Entspannung. Die Renditen von Anleihen Portugals, Irlands und Belgiens gingen kräftig zurück. Dagegen verkauften die Investoren die zuletzt sehr stark gefragten deutschen Papiere. Die Rendite der als besonders sicher geltenden Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg um 0,05 Prozentpunkte auf 2,388 Prozent.

Starke Kursreaktionen zeigten sich zu Beginn der Woche auch an den Rohstoffmärkten. Vor allem der Goldpreis setzte zu einer rasanten Rekordjagd an und sprang erstmals über die Marke von 1700 US-Dollar auf ein neues Rekordhoch bei 1715,01 Dollar. Die Schuldenkrise und die Sorge vor einem Abflauen der Weltwirtschaft ließen den Goldpreis seit Beginn des Jahres um etwa 20 Prozent ansteigen. Angesichts der schwelenden Krisen wächst die Angst vor einem Abflauen der Weltwirtschaft. Dadurch fallen auch die Ölpreise weiter kräftig.

dpa/dapd

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