Nervöse Aktienmärkte: Dax zeitweise minus 7 Prozent

Frankfurt - Auf dem internationalen Börsenparkett liegen die Nerven blank. Drastischen Abstürzen folgen kurze Erholungsphasen - und umgekehrt. Nun richtet sich der Blick gebannt auf die US-Notenbank Fed.

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Extreme Ausschläge auf den Aktienmärkten: Für den deutschen Leitindex Dax ging es am Dienstag den zehnten Tag in Folge in den Keller, zeitweise um mehr als 7 Prozent. Doch am frühen Nachmittag konnte er das Minus auf 1 Prozent eindämmen. An den Märkten Asiens ging es überwiegend abwärts, nachdem die Wall Street am Vortag einen Kurssturz um mehr als 600 Punkte verzeichnet hatte. Mit Spannung werden nun Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke nach der heutigen Zinsentscheidung erwartet.

Nach der langen Verlustserie ist am deutschen Aktienmarkt die Nervosität der Anleger entsprechend sehr hoch. Der VDax, der die Schwankungsbreite des Leitindex abbildet, schoss auf den höchsten Stand seit 2009. Damals flaute die Weltwirtschaftskrise nach der Lehman-Pleite ab. Derweil geht die Rekordjagd des Goldpreises weiter, was eine ungebrochen hohe Risikoscheu der Anleger signalisiert.

Ähnlich sieht es auch Fondsmanager Tim Albrecht von DWS Investments: “Das war jetzt zuletzt noch das i-Tüpfelchen für den ohnehin verunsicherten Markt“, sagte er im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Politik eine angemessene Lösung für die aktuellen Probleme findet, sieht er bei 50 Prozent. Das wäre nach seinen Worten eine Voraussetzung für eine Erholung an den Börsen. Einstiegskurse sieht er trotz des drastischen Kursverfalls in den vergangenen Tagen noch nicht. Dafür seien die Risiken zu hoch. An der Frankfurter Börse ging es auch für die Nebenwerte zunächst wieder deutlich in den Keller, am frühen Nachmittag drehten MDax und TecDax allerdings sogar ins Plus. Die Vielzahl der am Markt diskutierten Gründe für diese jüngste Kursentwicklung deutet indes auf eine weiter große Unsicherheit hin.

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Ingo Schmidt, Kapitalmarktexperte der Hamburger Sparkasse, sagte: “Man sucht derzeit den rettenden Anker und findet ihn nicht.“ Chefvolkswirt Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank wertet die aktuellen Kurskapriolen als Übertreibung. “Es ist kein rationaler, sondern ein emotionaler Markt.“ Die Deutsche Bank schraubte indes ihr Dax-Ziel auf 6800 Punkte zurück und machte dafür enttäuschende Quartalszahlen, wohl sinkende Markterwartungen und die Konjunkturabhängigkeit des Dax verantwortlich.

Einzelwerte traten in den Hintergrund: RWE-Papiere rutschten nach ihrem Halbjahresbericht auf den tiefsten Stand seit Ende 2003 und verloren 5,51 Prozent. Der zweitgrößte deutsche Energieversorger hat im ersten Halbjahr wegen des Atomausstiegs wie erwartet weniger verdient. Aktien der Lufthansa profitierten mit einem unterdurchschnittlichen Verlust von 1,81 Prozent von dem abgewendeten Streik der Fluglotsen.

In Asien ging es zumeist abwärts. So fiel der Hang Seng-Index in Hongkong um zeitweise bis zu 7 Prozent. Er erholte sich dann nur leicht wieder und schloss mit einem Minus von 5,66 Prozent. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fuhr aber geringere Verluste als am Vortag ein und ging mit einem Minus von 1,68 Prozent aus dem Handel.

Trotz schlechter Inflationszahlen in China und anfänglicher Verluste beendeten hingegen die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen den Handelstag eher ausgeglichen. Der Shanghai Composite Index schloss mit einem geringen Minus von 0,03 Prozent. Der Shenzhen Component Index stieg minimal um 0,02 Prozent. Auch die Börsen in Neuseeland und Australien hatten eine weitere Aktien-Talfahrt erlebt.

dpa

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