Rekordergebnis für RWE - stabile Preise für Kunden

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“Wir erwarten, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis die europäische Wirtschaft wieder das Niveau von 2008 erreicht“, sagte Vorstandschef Jürgen Großmann.

Essen - Der Energiekonzern RWE hat im Krisenjahr 2009 mit 7,1 Milliarden Euro den höchsten Betriebsgewinn der Unternehmensgeschichte erzielt und plant vorerst keine Preiserhöhungen.

Die 3,5 Millionen Stromkunden müssen bis Jahresmitte nicht mit Erhöhungen rechnen. Der Gaspreis für die 500 000 Kunden galt bei RWE nach deutlichen Senkungen im vergangenen Jahr bis Februar als stabil.

Derzeit beobachte RWE den Markt, teilte der Vorstand am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Essen mit. Nach Angaben des Verbraucherportals Toptarif wollen nach ersten Gaspreis-Erhöhungen zu Jahresbeginn im Frühjahr weitere Versorger nachziehen. Für März und April hätten 41 Firmen Anhebungen von durchschnittlich 6,8 Prozent angekündigt, teilte das Portal am Donnerstag in Berlin mit.

Beim Strom hätten bereits über 90 Versorger Preiserhöhungen zum Frühjahr angekündigt, um durchschnittlich 5,6 Prozent. Mit einer Steigerung des Betriebsgewinns um 3,9 Prozent hat RWE seine Jahresprognose noch übertroffen. Nach Ergebniseinbrüchen im britischen Geschäft und nach dem Ölpreisverfall hatte RWE vergangenen Herbst lediglich ein ähnliches Ergebnis erwartet wie 2008.

Im vierten Quartal steuerte aber der erstmals konsolidierte niederländische Versorger Essent mit 141 Millionen Euro mehr bei als erwartet. Vor allem dank des Zukaufs wuchs die Zahl der Mitarbeiter um sieben Prozent auf 70 800. In Deutschland wurden 1000 neue Stellen geschaffen. Der Konzerngewinn wuchs um fast 40 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Allerdings hatten 2008 hohe Abschreibungen auf die inzwischen komplett verkaufte US-Wassertochter American Water das Ergebnis belastet. Zu den Verkaufseinnahmen gesellten sich 2009 auch hohe Gewinne beim Stromverkauf.

RWE profitierte von niedrigen Preisen an der Strombörse. Sie lagen im Durchschnitt bei 39 Euro pro Megawatt. Wegen langfristiger Verträge konnte RWE 60 Euro von den Kunden einstreichen, dabei die eigene Produktion etwas herunterfahren und stattdessen günstigen Strom an der Börse zukaufen. Die Ergebnis-Erwartungen für die kommenden Jahre hat der Konzern heruntergeschraubt. Der jährliche Ergebnisanstieg soll bei fünf Prozent liegen, bislang waren fünf bis zehn Prozent angestrebt.

“Wir erwarten, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis die europäische Wirtschaft wieder das Niveau von 2008 erreicht“, sagte Vorstandschef Jürgen Großmann. Denn 2013 kommen Zusatzkosten für CO2-Zertifikate auf die Wirtschaft zu. Nach heutigem Stand müsste RWE für rund 100 Millionen Tonnen Zertifikate bezahlen. Das wären mehr als eine Milliarde Euro. Der Konzern will deshalb vordringlich seine CO2-Bilanz verbessern.

Große Anstrengungen gelten den Erneuerbaren Energien mit jährlichen Investitionen von 1,4 Milliarden Euro. Außerdem fordert RWE längere Laufzeiten für Atomkraftwerke. “Im Jahr 2025 sollen 75 Prozent unserer Stromerzeugung CO2-frei beziehungsweise CO2-arm sein: 30 Prozent Erneuerbare, 30 Prozent Gas, 15 Prozent Kernenergie“, sagte Großmann. “Wir brauchen die Kernenergie, um die Stromversorgung sicherzustellen.“

Sollte die Laufzeit nicht verlängert werden, müsste RWE noch in diesem Jahr sein Atomkraftwerk Biblis A in Hessen abschalten. Biblis A soll aber zunächst am 20. März wieder ans Netz gehen. RWE will dann versuchen, Strommengen anderer Kernkraftwerke auf Biblis zu übertragen, um die Laufzeit auszudehnen.

dpa

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