Flut kostet Munich Re überraschend viel Geld

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Hochwasser im Juni im bayerischen Deggendorf.

München - Die Hochwasserkatastrophe hat dem Rückversicherer Munich Re stärker zu schaffen gemacht als erwartet. Trotzdem hält der Konzern an seinem Milliarden-Ziel für dieses Jahr fest.

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hält auch nach einem überraschend heftigen Gewinneinbruch durch die Flutkatastrophe in Europa an seinem Jahresziel fest. Konzernchef Nikolaus von Bomhard zeigte sich am Dienstag in München zuversichtlich, annähernd 3 Milliarden Euro Gewinn im Gesamtjahr zu schaffen. „Es passt, was wir im ersten Halbjahr abgeliefert haben“, sagte Bomhard. Allerdings bleiben Herausforderungen durch die anhaltende Zinsflaute an den Kapitalmärkten und den Preisdruck in der Rückversicherung.

Zwischen April und Juni verdiente Munich Re unter dem Strich nur noch 529 Millionen Euro und damit gut ein Drittel weniger als ein Jahr zuvor. Dabei musste das Unternehmen mit 605 Millionen Euro ein Drittel mehr für Großschäden ausgeben als ein Jahr zuvor. Die Hochwasserkatastrophe kostete Munich Re voraussichtlich 230 Millionen Euro. Rund 50 Millionen davon entfallen auf die Erstversicherungstochter Ergo. Das Unternehmen schnitt damit schlechter ab als von Analysten erwartet, das brachte die Aktien der Munich Re stark unter Druck. Zeitweise verloren die Papiere an den Börsen gut vier Prozent.

Die Belastungen drückten vor allem im Kerngeschäft mit Rückversicherungen auf das Ergebnis. Die Sparte trug im zweiten Quartal nur 378 Millionen Euro zum Konzernergebnis bei, nach 659 Millionen Euro vor Jahresfrist. In der Erstversicherung lag das Ergebnis mit 148 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahresniveau von 150 Millionen Euro.

Teuer dürfte die Branche auch das Hagelgewitter Ende Juli zu stehen kommen. Die Schäden würden auf etwa 600 Millionen Euro geschätzt, sagte Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek. Europas größter Versicherer Allianz hatte seine Belastung bereits auf rund 200 Millionen Euro beziffert.

Der Untergang des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia im Januar 2012 werde Munich Re mit rund 100 Millionen Euro belasten, sagte Jeworrek. Mit Kosten von 1,1 Milliarden Dollar (829 Mio Euro ) sei es die bisher teuerste Bergung und Verschrottung eines Schiffes aller Zeiten für die Assekuranz.

Im kleinsten Geschäftsfeld Munich Health zeigten im zweiten Quartal die Sanierungsbemühungen bei der 2011 übernommenen Windsor Health Group (WHG) in den USA Wirkung: Es lieferte einen Ergebnisbeitrag von 22 Millionen Euro ab, nach nur einer Million Euro im Vorjahr. Für die WHG würden weiter alle Optionen geprüft, „vom Weitermachen bis zum Verkauf“, sagte Bomhard. Nach wie vor sei im Gesamtjahr wegen der Probleme in den USA ein Verlust im dem Geschäftsfeld möglich.

Mit insgesamt 1,5 Milliarden Euro Gewinn im ersten Halbjahr hat der Konzern etwa die Hälfte seines Jahresziels von annähernd 3 Milliarden Euro geschafft. „Wir schließen damit fast exakt an das sehr gute Vorjahresergebnis an“, sagte Bomhard. Auch in der zweiten Jahreshälfte steht der Konzern aber vor Herausforderungen. „Die Gefahren infolge des anhaltenden fordernden wirtschaftlichen Umfelds sind weiterhin beträchtlich“, erklärte Finanzvorstand Jörg Schneider. So geht Munich Re weiter davon aus, dass die Kapitalanlagen in diesem Jahr nur noch 3,3 Prozent abwerfen dürften nach 3,9 Prozent 2012. Im ersten Halbjahr waren es allerdings nur 3,2 Prozent.

Auch die Preise in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung bleiben unter Druck. Bei der jüngsten Vertragserneuerung zum 1. Juli musste Munich Re einen Abschlag von 0,9 Prozent hinnehmen. Betroffen davon sind vor allem die USA, Australien, Neuseeland und Lateinamerika. Schon zum Jahresanfang hatte Munich Re wegen der schwachen Preisentwicklung auf Geschäft verzichtet.

dpa

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