Affäre als Spesen abgerechnet: HP-Chef tritt zurück

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HP-Chef Mark Hurd stolperte über eine Affäre mit einer Mitarbeiterin.

Palo Alto - Der Chef des weltgrößten Computerherstellers Hewlett-Packard, Mark Hurd, ist überraschend zurückgetreten. Er stolperte über die Beziehung zu einer Mitarbeiterin.

Wenn es um die Liebe geht, kann auch ein Zahlenmensch seinen Kopf verlieren. Bei Mark Hurd ist das wohl genau so passiert. Offensichtlich fühlte sich Hurd dermaßen zu einer Mitarbeiterin hingezogen, dass er dabei seinen Verstand ausschaltete. Hurd habe es “deutlich an Urteilsvermögen mangeln lassen“, lautete die ungeschönte Einschätzung von HP-Chefjustiziar Michael Holston.

Die Frau habe zwei Jahre lang als Beraterin an Marketingprojekten mitgewirkt. Die ganze Affäre flog auf, als die Frau Ende Juni den HP-Chef bezichtigte, sie sexuell belästigt zu haben. Die Firma startete Ermittlungen. Warum die ehemalige Mitarbeiterin Hurd anschwärzte, ist unklar. Über sie ist nichts weiter bekannt. Der Verdacht der sexuellen Belästigung stellte sich jedenfalls als haltlos heraus.

Im Zuge der Untersuchung seien aber fragwürdige Abrechnungen aufgetaucht. Die renommierte “New York Times“ grub tiefer und förderte Aussagen aus dem Umfeld von HP zutage. Diese Schilderungen der Geschehnisse zeichnen das Bild eines Mannes, der einer Frau mit allen Mitteln nahe sein wollte - und dabei die Grenzen des Anstands überschritt.

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Hurd habe die Frau persönlich eingestellt nach zwei Gesprächen mit ihr. Schon beim zweiten Mal hätten die beiden sich zum gemeinsamen Abendessen getroffen - und anschließend im gleichen Hotel übernachtet. Zwischen dem Herbst 2007 und dem Herbst 2009 habe die Frau für das Unternehmen diverse Termine in den Vereinigten Staaten, in Europa und Asien wahrgenommen. Nach den Veranstaltungen habe sie oft alleine mit Hurd zu Abend gegessen. Pro Termin habe sie zwischen 1000 und 10 000 Dollar kassiert. Bei seiner Spesenabrechnung habe Hurd die Dame aber verschwiegen - und stattdessen angegeben, er habe alleine oder mit einer anderen Person am Tisch gesessen. Das wurde ihm letztlich zum Verhängnis.

Um die Summe an sich - es sollen maximal 20 000 Dollar gewesen sein, ging es dabei nicht. Das Vertrauen sei zerstört, führte Chefjustiziar Holston aus. “Es hatte nichts mit den Dollars zu tun.“ Hurd hätte es mit seinem Millionengehalt auch nicht nötig gehabt, bei den Spesen zu betrügen. Doch Hurd ist verheiratet, und die Treffen auf Firmenkosten schienen dem Manager offenbar die einzige Möglichkeit, die andere Frau ohne Gefahr zu sehen. Zu sexuellen Kontakten soll es übrigens nie gekommen sein - das zumindest habe Hurd behauptet, schrieben “New York Times“ und “Wall Street Journal“ unter Berufung auf sein Umfeld.

Hurd selbst schweigt zu den Details. Er ließ lediglich wissen, er habe seine und die Prinzipien des Unternehmens verletzt. “Das ist eine schmerzhafte Entscheidung für mich nach fünf Jahren bei HP“, sagte er in der Mitteilung zu seinem Rücktritt. Immerhin bekommt Hurd ein Trostpflaster zum Abschied: eine Abfindung über 12,2 Millionen Dollar in bar.

dpa

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