Metro-Chef sieht keine Zukunft für Karstadt

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Der Vorstandsvorsitzende der Metro Gruppe, Eckhard Cordes.

Düsseldorf - Der Chef des größten deutschen Handelskonzerns Metro, Eckhard Cordes, sieht keine Zukunft für den angeschlagenen Konkurrenten Karstadt.

“Wir glauben nicht, dass es für Karstadt als Ganzes eine wirtschaftliche Perspektive gibt“, sagte der Manager der “Bild“-Zeitung. Deutschland habe ein Überangebot an Warenhäusern. Die Metro sei aber nach wie vor bereit, “eine nennenswerte Anzahl“ von Karstadt-Filialen zu übernehmen. “Zusammen mit unserem sehr erfolgreichen Kaufhof ließe sich so eine Deutschen Warenhaus AG bilden“, sagte Cordes. Ein konkretes Angebot könne die Metro aber erst machen, wenn sie Einsicht in die Bücher von Karstadt bekommen habe. Das vernichtende Urteil des Metro-Chefs fällt in eine Zeit, in der der Arcandor-Insolvenzverwalter, Klaus Hubert Görg, versucht einen Käufer für das Essener Unternehmen zu finden. “Wir haben in dieser Woche erste Gespräche mit Interessenten aufgenommen“, zitierte der “Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe den Insolvenzverwalter.

Rund 30 potenzielle Investoren

Für Görg hat der Verkauf von Karstadt als Ganzes absoluten Vorrang. “Jede Teillösung wäre angesichts der komplexen Sachlage sehr viel riskanter und komplizierter. Die Stilllegung einer Vielzahl von Filialen wäre teuer und vernichtet Tausende Arbeitsplätze“, betonte der Insolvenzverwalter. Es gebe vernünftige Aussichten die 120 bestehenden Filialen zu erhalten. Bislang haben sich nach seinen Angaben rund 30 Investoren in der Arcandor-Zentrale in Essen gemeldet. Jetzt werde zunächst geprüft, wie viele davon ernst zu nehmen seien. Im Januar könnten die Interessenten dann in die Bücher schauen. “Im Frühjahr 2010 könnten die Verträge unterschrieben werden“, erläuterte Görg seine Zeitplanung.

Bisher keine Gespräche mit Metro oder Otto-Gruppe

Mit den Chefs von Metro und der Otto-Gruppe, die schon früh Interessen an Teilen der Karstadt-Kette signalisiert hatten, hat Görg nach eigenen Angaben bislang keine Verhandlungen geführt. “Worüber sollten wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt reden? Es gibt für Teillösungen keine Verhandlungsbasis“, sagte er. Indirekt forderte der vom Gericht bestellte Konzernverwalter die Konkurrenten aber auf, ihre Vorstellungen zu konkretisieren: “Wenn ein potenter Interessent wie Otto oder Metro mit einem Batzen Geld käme und anböte: Wir sind bereit, eine größere Anzahl von Filialen und Mitarbeitern zu übernehmen, in die Verträge einzutreten, die Ware zu übernehmen und so weiter, dann wäre es meine Pflicht als Insolvenzverwalter mich mit diesem Angebot zu beschäftigen“, sagte er. Erst bei einem konkreten Angebot könne er abwägen, “ob es für Gläubiger und Mitarbeiter besser wäre als der der angestrebte Paketverkauf“.

AP

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