Metro: Das sind die Favoriten für die Spitzenpositionen

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Beim Handelsriesen Metro sind zwei Spitzenpositionen zu besetzen

Berlin - Beim Handelsriesen Metro sind zwei Spitzenpositionen zu besetzen. Ende dieser Woche will der Aufsichtsrat einen neuen Vorsitzenden wählen. Der Vorstandsvorsitz dürfte erst im Dezember geklärt werden.

Nach seiner Ankündigung vor wenigen Wochen, nicht mehr für eine zweite Vertragsperiode zur Verfügung zu stehen, ist der endgültige Abschied des Vorstandschefs des Metro-Konzerns, Eckhard Cordes, nur noch eine Frage der Zeit. Durch den heftigen Machtkampf, in dessen Folge auch Aufsichtsratschef Jürgen Kluge das Handtuch warf, ist der Konzern seit Monaten in Unruhe.

Am kommenden Freitag kommt der Metro-Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammen. Als sicher gilt: Das Familienoberhaupt des Haniel-Clans, Franz Markus Haniel, soll von Anteilseignern und Arbeitnehmer-Vertretern zum Nachfolger von Kluge gewählt werden. Der 56-jährige Unternehmer und diplomierte Ingenieur stand zwischen 2007 und 2010 schon einmal an der Spitze des Metro-Aufsichtsrates. Gemeinsam mit der Familie Schmidt-Ruthenbeck hält Haniel die Mehrheit an Europas drittgrößten Handelsunternehmen. Kluge will auch als Haniel-Chef möglichst bald abtreten - sein Vertrag läuft noch bis Ende 2012.

Wer hat Chancen?

Dass sich die Aufsichtsräte in der Sitzung aber schon auf einen Nachfolger für Cordes einigen werden, ist unwahrscheinlich. Man könne zwar davon ausgehen, dass die Frage in dem Gremium erörtert werde, aber mehr als erste Hinweise gäbe es vermutlich nicht, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Wahrscheinlicher ist die Ernennung eines neuen Metro-Chefs in der Dezember-Sitzung wenige Tage vor Weihnachten. Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für die Cordes-Nachfolge sitzen bereits in der Düsseldorfer Metro-Zentrale.

Gute Chance wurden in den vergangenen Wochen Vorstandsmitglied Joël Saveuse attestiert. Der 58-jährige Handelsexperte hat das Deutschlandgeschäft der Metro-Tochter Real saniert. Er ist im Konzernvorstand außerdem für das wichtige Europageschäft der Metro-Großhandelsmärkte verantwortlich. Gute Chancen werden aber ebenso für Finanzvorstand Olaf Koch gesehen. Der 41-jährige Zahlenexperte stünde für einen Generationswechsel. Im Umfeld des Konzerns wird außerdem eine Doppelspitze für möglich gehalten: Saveuse könnte die Führung in ein oder zwei Jahren an Koch abgeben.

Keine Schonfrist

Eine interne Lösung der Führungsfrage hätte den Vorteil, dass rasch Ruhe beim Handelsriesen einkehren könnte. Ein qualifizierter externer Manager, der gleichzeitig Handelsexperte ist, ist nicht in Sicht. Vor einigen Wochen wurde in Medienberichten Thomas Martin Hübner ins Spiel gebracht, der zur Zeit das Europageschäft bei Europas größtem Handelskonzern Carrefour leitet. Viele Jahre stand der Schweizer bereits in Diensten der Metro AG, er trieb die Expansion der Großhandelsmärkte voran. Doch Hübner scheint durch den Job bei seinem französischen Arbeitgeber gebunden.

Erst vor wenigen Tagen wurde der Vorstandsvertrag von Koch verlängert. Der Manager gilt als Gefolgsmann von Cordes und wird nach Einschätzung der Gewerkschaften bei Metro den strikten Sanierungskurs fortsetzen. In seinen neuen Vertrag soll Koch eine Option aufgenommen haben, dass er das Unternehmen verlassen kann, wenn ihm ein anderer vor die Nase gesetzt wird. Saveuse wird als “Vollbluthändler“ mit Gespür vor Verbrauchertrends von Teilen des Aufsichtsrates sehr geschätzt. Franz Markus Haniel hat damit keine Schonfrist als neuer Aufsichtsratschef. Er muss schnellstmöglich eine Mehrheit für den Vorstandsvorsitz organisieren.

Verkauf der Kaufhof-Filialen

Was den angepeilten Verkauf der 134 Kaufhof-Warenhäuser angeht, setzt der scheidende Chef des Mutterkonzerns Metro, Eckhard Cordes, bislang offenbar vor allem auf die österreichische Immobilienfirma Signa.

Wie das “Handelsblatt“ am Montag unter Berufung auf Informationen aus Verhandlungskreisen in seiner Online-Ausgabe berichtete, hat Cordes am vergangenen Mittwoch Details des Verkaufs mit Signa-Chef René Benko besprochen.

Das Angebot des US-Investors Nicolas Berggruen, der im vergangenen Jahr die Karstadt-Warenhäuser erworben hatte, sei bislang auf wenig Resonanz gestoßen, schrieb das “Handelsblatt“. Wegen der unklaren Finanzierung der Kaufhof-Immobilien durch Berggruen werde die Metro das Angebot derzeit nicht weiter verfolgen, sei dem Verhandlungsführer von Berggruen mitgeteilt worden. Dritter Kaufhof-Bieter ist der Ex-Karstadt-Chef Wolfgang Urban.

dpa/dapd

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