Ex-Top-Manager beschuldigt

Schmiergeldverdacht bei EADS

München/Wien - Beim Verkauf von Kampfflugzeugen an Österreich sollen beim Rüstungskonzern EADS nach Angaben der Staatsanwaltschaft Wien rund 100 Millionen Euro geflossen sein.

Das sagte ein Sprecher österreichischen Ermittlungsbehörde am Wochenende der Nachrichtenagentur dpa. Der Vertreter der Anklagebehörde reagierte damit am Wochenende auf Berichte der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag) und des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“.

Nach Vermutungen der deutschen und österreichischen Ermittler handelt es sich um Gelder, mit denen möglicherweise österreichische Entscheidungsträger beim Verkauf von 18 Eurofightern im Jahr 2003 bestochen worden seien. „Wir nehmen an, es waren um die 100 bis 110 Millionen, aber die genaue Summe ist noch offen,“ sagte Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft, Thomas Vecsey.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete unter Berufung auf die Staatsanwaltschaften in München und Wien von mindestens 70 Millionen Euro berichtet, der „Spiegel“ von 113,5 Millionen Euro.

Die Gelder von EADS Deutschland sollen an ein Netz aus Briefkastenfirmen geflossen sein. Die Staatsanwaltschaft in Wien vermutet laut „Spiegel“ allerdings, dass den entsprechenden Verträgen keine tatsächlichen Gegenleistungen gegenübergestanden hätten.

Laut „Spiegel“ ermitteln die österreichischen Fahnder in dem Fall auch wegen des Verdachts der Geldwäsche. In München habe sich inzwischen auch die Steuerfahndung eingeschaltet.

Ein EADS-Sprecher bestätigte der dpa am Sonntag lediglich entsprechende Ermittlungen, wollte sich aber mit Rücksicht auf das laufende Verfahren nicht näher zu den Vorwürfen äußern. Der Vorstand kooperiere mit der Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung der Vorwürfe, versicherte der Firmensprecher.

Der EADS-Sprecher bestätigte zugleich einen Brief von EADS-Chef Thomas Enders an die Führungskräfte des Konzerns; darin habe Enders zuletzt vor illegalen Mitteln im Kampf um Aufträge gewarnt. „Es gibt keinen Platz für betrügerisches oder unethisches Verhalten bei EADS“, hieß es nach Medienberichten in dem Brief. Bei Gesetzesverstößen gebe es „null Toleranz“.

In Branchenkreisen war am Sonntag davon die Rede, bei EADS seien bereits erste Schritt unternommen worden, um die Korruptionsbekämpfung zu verbessern. So sollen organisatorische Vorkehrungen getroffen werden, „damit so was in Zukunft nicht mehr passiert“, hieß es.

Unter den 13 Beschuldigten soll neben EADS-Leuten aus der mittleren Ebene, Lobbyisten und Vermittlern laut „SZ“ auch ein früherer Top-Manager des Rüstungskonzerns sein. Laut „Spiegel“ ist in die mögliche Bestechungsaffäre sogar noch ein weiterer früherer EADS-Bereichsleiter verwickelt. Bei dem jüngst bekanntgewordenen Verfahren geht es um mögliche Unregelmäßigkeiten beim Verkauf von Kampfflugzeugen des Typs Eurofighter an Österreich. Der Deal war 1,7 Milliarden Euro wert. In Österreich wird seit langem vermutet, dass bei dem damals heftig debattierten Kauf Schmiergeld im Spiel war. Die umstrittene schwarz-blaue Koalition unter dem konservativen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hatte den Deal vor rund zehn Jahren verantwortet.

Am Dienstag hatte es deswegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Durchsuchungen gegeben. Dabei wurden zahlreiche Akten beschlagnahmt. Die Auswertung soll Monate dauern. Von der Staatsanwaltschaft in München war dazu am Sonntag keine Stellungnahme zu erhalten.

dpa

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