Schwein ist Trumpf - Geflügel nicht mehr

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Den Metzgern vor Ort fehlt der Nachwuchs.

München - Schweinefleisch landet in Deutschland so oft auf dem Teller wie kein anderes Fleisch. Der Geflügelboom ist hingegen erstmal vorbei. Die meisten Fleischer konnten ihren Umsatz steigern

Die Fleischer in Deutschland haben ihren Umsatz im vergangenen Jahr auch dank guter Geschäfte mit dem Party-Service gesteigert. Durchschnittlich legten die Erlöse um 3,2 Prozent zu, wie der Deutsche Fleischer-Verband am Dienstag in München berichtete. Das Catering-Geschäft für Feiern machte 9 Prozent des Umsatzes aus. “Der Partyservice ist zu einem ganz wichtigen Umsatzbringer für unser Geschäft geworden“, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Fuchs. Die Gewinne vieler Betriebe seien unter anderem wegen höherer Kosten für Gewürze und Därme, die zur Wurstherstellung benötigt werden, aber leicht gesunken.

Der Fleischverzehr blieb 2011 nahezu stabil: Rein statistisch aß jeder Mensch in Deutschland 61 Kilo Fleisch und damit 100 Gramm weniger als im Vorjahr. Mit 39,6 Kilo blieb Schweinefleisch mit Abstand die Nummer eins der Kunden. Der Verzehr von Geflügelfleisch blieb nach rasanten Zuwachsraten in den Vorjahren unverändert bei 11,5 Kilo pro Jahr. Zwischen 1985 und 2009 hatte sich der Verzehr mehr als verdoppelt. In Zukunft rechnet der Verband nicht mehr mit so enormen Zuwachsraten bei Hähnchen, Pute oder anderem Geflügelfleisch. “Der ganz große Boom ist wohl erstmal vorbei“, sagte Fuchs. An Rind- und Kalbfleisch verzehrten die Kunden im Schnitt 8,4 Kilo pro Jahr.

Um Fleisch im Fachhandel kaufen zu können, müssen viele Kunden ins Auto steigen: Weil viele Betriebe keinen Nachwuchs finden oder dem Wettbewerbsdruck mit den Supermärkten nicht standhielten, machten auch 2011 wieder zahlreiche Metzger dicht. Zwischen 2009 und 2011 ging die Zahl der Filialen um 470 auf 10 283 zurück. Ein Riesenproblem ist für die Betriebe der Nachwuchsmangel. Allein in Bayern sind derzeit rund 1000 Lehrstellen offen. Bundesweit können mehr als 3500 Ausbildungsplätze nicht mit geeigneten Kandidaten besetzt werden. Um junge Leute für den Beruf zu begeistern, wollen die Betriebe künftig verstärkt in Hauptschulen gehen, um sich dort als Arbeitgeber zu präsentieren.

dpa

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