Trotz stabiler Preise

Experte: Strompreisproblem aussichtslos

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Strommasten und Windräder heben sich wie Scherenschnitte vom farbenprächtigen Abendhimmel ab.

Berlin - Auch wenn der Strompreis an der Börse stabilisiert werden kann, werden die Kosten für die Verbraucher steigen. Das prophezeit ein Experte. Unterdessen schlägt Rösler neue Einschnitte vor.

Das Strompreisproblem könnte sich nach Meinung von Analysten durch die Entwicklung im Stromeinkauf noch verschärfen. „Ich sehe keine Möglichkeit, wie der Verbraucher stärker von den gesunkenen Börsenstrompreisen profitieren kann“, sagte Tobias Federico, Geschäftsführer des Strompreis-Analyseunternehmens Energy Brainpool, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Derzeit seien die Preise so niedrig wie seit acht Jahren nicht mehr, so Federico.

Dadurch wächst aber die Differenz zu den festen Vergütungssätzen für Solar- und Windstrom. Diese Differenzkosten ergeben die auf den Strompreis der Verbraucher aufgeschlagene Ökostrom-Umlage. Sinkende Börsenstrompreise bedeuten also in der Regel eine steigende Umlage. „Unsere Szenarien sagen für die nächste Zeit etwa 38 bis 42 Euro pro Megawattstunde am Spotmarkt voraus. Der Preis liegt etwa 10 bis 15 Prozent unter den Erwartungen“, betonte Federico.

Einerseits sinke der Preis an der Strombörse durch die steigende Einspeisung erneuerbarer Energien, zudem sei wegen des Preisverfalls für Co2-Verschmutzungsrechte Braunkohlestrom gerade sehr günstig. „Selbst wenn wir den Börsenstrompreis stabilisieren, steigen die Kosten für den Verbraucher“, betonte Federico. „Denn es gibt auch steigende Kosten durch den Netzausbau, die über die Netzentgelte auf den Endkundenpreis umgelegt werden.“

Rösler fordert neue Einschnitte bei Öko-Strom-Förderung

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will deshalb die garantierten Abnahmepreise für Öko-Strom nur noch für Kleinstanlagen zulassen. Alle anderen Betreiber von Windrädern oder Photovoltaikanlagen sollen das Vermarktungsrisiko nach dem Willen des FDP-Politikers selbst übernehmen, berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf ein Positionspapier des Wirtschaftsministers.

Bislang garantiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Betreibern feste Einspeisevergütungen für jede produzierte Kilowattstunde Strom, die teilweise erheblich über den Börsenstrompreisen liegen. Ob der Strom gerade benötigt wird oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Eine Pflicht zur Direktvermarktung gibt es nur für große Biogasanlagen und für einen geringen Teil des Photovoltaikstroms.

Rösler sieht seine Vorschläge laut „Handelsblatt“ als „Ergänzung“ zu den Plänen von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), der Ende Januar eine „Strompreisbremse“ vorgestellt hatte. Der Umweltminister will die Ökostrom-Umlage für zwei Jahre auf ihrem heutigen Niveau einfrieren, und den Beginn von Vergütungszahlungen für neue Wind- und Solarparks zeitlich strecken.

dpa

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