Neue Untersuchung: Wer die Fördermöglichkeiten nutzt

Die Wahrheit über die Riester-Rente

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Wer später nicht nur am Bankerl sitzen, sondern das Leben genießen will, muss zusätzlich zur Rente vorsorgen.

München - Zehn Jahre wird die Riester-Rente alt. Und nach anfänglichem Zögern wird sie immer beliebter. Wer die Fördermöglichkeiten nutzt und was den typischen Riester-Sparer ausmacht:

Bereits 15 Millionen Bundesdeutsche werden zum Jahresende nach Einschätzung des Bundesarbeitsministeriums einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen haben.  Aber wer nutzt überhaupt Riester? Die Wahrheit hat jetzt das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) herausgefunden. Ergebnis: Vor allem jüngere und gebildete Menschen sowie Familien nutzen die Möglichkeiten. Die zeigt auch, dass die Vermögensbildung von Nichterwerbstätigen und Niedrig- sowie Normalverdienern durch die staatlich geförderte Altersvorsorge zwar gestärkt wurde, bei anderen Personengruppen sich jedoch erhebliche Mitnahmeeffekte abzeichnen.

Die Riesterrente sollte vor allem Jüngeren, den Beziehern mittlerer und niedriger Einkommen sowie Frauen, Familien und Ostdeutschen zugute kommen. "Bei rund 15 Millionen Verträgen - jeder Fünfte Berechtigte - und einem Fördervolumen von mittlerweile mehr als einer Milliarde Euro jährlich wollten wir erforschen, ob dieses Ziel erreicht wird", erläutert Dr. Reiner Braun, Co-Autor der im Auftrag des DIA durchgeführten Studie. Am meisten nutzen Familien das Riester-Sparen: Vor allem solche mit Kindern unter 16 Jahren (30 Prozent), aber auch Alleinerziehende (20 Prozent) riestern öfter als Alleinlebende oder kinderlose Paare (jeweils 15 Prozent).

Neben dem familiären Umfeld, Alter und Einkommen ist der Bildungsstand wichtig. Personen mit geringerem Schulabschluss haben deutlich seltener einen Riestervertrag, als solche mit höherer Bildung: Menschen mit Hauptschulabschluss haben zu 16 Prozent, mit Realschulabschluss 23 Prozent, mit (Fach-) Hochschulreife,  24 bzw. 22 Prozent und Personen ohne Abschluss nur zu drei Prozent einen entsprechenden Vertrag. Allerdings kommt die Studie auch zu dem Schluss, dass der Anteil der Riester-Sparer in den Gruppen mit geringem Bildungsniveau wächst.

Typische Riester-Sparer lassen sich nach den Ergebnissen der DIA-Untersuchung wie folgt beschreiben: eher jüngere (30 bis unter 40 Jahre) Personen, ostdeutsche Mütter in einem Paarhaushalt mit Kindern, eher hohes Haushaltseinkommen, mindestens Realschulabschluss. Die häufigsten Zeitpunkte für den Abschluss einer Riester-Rente sind die typischen Meilensteine in der Lebensbiografie. Ein neuer Arbeitsvertrag, Haushaltsbildung, Familiengründung und Erwerb von Wohneigentum führen häufig auch zum Abschluss von Riester-Verträgen. Daran wird auch deutlich, warum Familien besser fürs Alter abgesichert sind als Alleinlebende oder kinderlose Paare. Renner beim Riester-Sparen ist übrigens die Eigenheim-Rente, bei der mit Förderung Wohneigentum für die Altersvorsorge gekauft werden kann.

Interview mit der Expertin: Was bringt Riester wirklich?

Die tz sprach mit Susanne Meunier, Riester-Expertin von Stiftung Warentest und erfuhr, was man beachten muss, wie man ein echtes Riester-Produkt erkennt und wie gut die angebotenen Produkte sind:

Was bringt die Riester-Rente wirklich?

Susanne Meunier: Man kann aus unserer Erfahrung mit den Untersuchungen und kritischen Überprüfungen des Fördermodells in den letzten zehn Jahren sagen, dass man damit auf sichere Weise sein Geld besser vermehren kann, als mit einem nicht geförderten Produkt.

Wem empfehlen Sie die Riester-Rente besonders?

Meunier: Im Grunde jedem, der eine gesetzliche Rente als Basis hat und damit sein Alterseinkommen bestreitet, denn die Kürzungen, die Menschen, die heute noch arbeiten, erleben werden, sind ihnen oft gar nicht bewusst.

Existieren zu Riester-Produkten Alternativen?

Meunier: Die Altersvorsorge sollte immer auf mehreren Beinen stehen. Riester ist ja nur der Name für die steuerliche Förderung. Man kann ja innerhalb der Riester-Rente varieren je nach Alter und Lebenseinstellung.

Wie erkenne ich ein gutes Riester-Produkt, und was muss ich beachten?

Susanne Meunier, Riester-Expertin von Stiftung Warentest

Meunier: Man sollte sich vorher Gedanken machen, welches Produkt, zu einem passt. Es gibt ja verschiedene Angebote. Innerhalb dieser Produktgruppen gibt es immer bessere und schlechtere. Wir empfehlen beispielsweise die Fondssparpläne eher für jüngere Leute. Wer hingegen bald eine Immobilie kaufen will, für den ist eher ein Riester-Bausparvertrag zu empfehlen oder ein Banksparplan.

Wie gut sind die angebotenen Produkte?

Meunier: Es gibt bei den Rentenversicherungen mehr gute Produkte als bei den fondsgebundenen. Da muss man die Nadel im Heuhaufen suchen, um ein gutes Produkt zu finden.

Was ist zu beachten?

Meunier: Man wird teilweise nicht richtig aufgeklärt. Der Riester-Sparer muss das Produkt selbst verstehen.

KHD

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